|
|
Helden, heilige Felsen und Fürstenschlösser |
Ein Sonntagsausflug durch Teutoburger Wald und Lipperland
|
Vor vielen Jahren, als es das Fach Heimatkunde an unseren Schulen noch gab, waren das Hermannsdenkmal und die sagenumwobenen Externsteine noch fester Bestandteil des Unterrichts. Heute kennt sich leider ein großer Teil unserer jungen Bürger besser im Ausland aus als in ihrer unmittelbaren Umgebung. Sonntagsausflüge in die nähere Umgebung waren eine beliebte Freizeitgestaltung am Wochenende.
Begleiten Sie uns auf unseren Ausflug durch das nordöstliche Westfalen. Die drei nachfolgenden geschichtsträchtigen Orte sind ohne Stress innerhalb eines Tages zu besuchen. Wenn Sie das Hermannsdenkmal als erstes Ziel anfahren, sind die anderen beschriebenen Ziele nur 8 bis 19 km entfernt. Es bleibt noch genügend Zeit um in einem der Ausflugslokale gemütlich Kaffee zu trinken oder nach dem Besuch im Fürstenschloss ein wenig durch die Innenstadt von Detmold zu bummeln.
Das Hermannsdenkmal
Von der Schlacht im Teutoburger Wald gibt es unzählige Geschichten und sogar Historienfilme. Im Jahre 9 n.Chr. haben germanische Stämme unter der Führung des germanischen Fürsten Arminius (Armin, Hermann) den römischen Legionen unter der Führung des Publius Quintus Varus eine entscheidende Niederlage beigebracht. So schrieb der römische Cornelius Tacitus in seinen Annalen: Armin ist ohne Zweifel Germaniens (Deutschlands) Befreier, der das römische Weltreich nicht in seinen Anfängen bedrängt hat wie andere Könige oder Heerführer, sondern in der höchsten Blüte seiner Herrschaft.
Der Erbauer Ernst von Bandel ging davon aus, dass die Schlacht im Teutoburger Wald stattgefunden hat. Mittlerweile ordnen die meisten Wissenschaftler den Ort Kalkriese bei Bramsche in Niedersachsen als wahrscheinlichsten Ort der Schlacht ein.
Mit dem Bau des Denkmals wurde 1838 begonnen. Zur Finanzierung des Baus wurden überall in Deutschland Vereine gegründet, die Gelder zur Finanzierung des Bauvorhabens sammelten. 1846 wurde der Sockel fertig gestellt. Nach der „Deutschen Revolution“ von 1848 ruhten die Bauarbeiten bis 1863. Erst nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 erwachte das öffentliche und politische Interesse neu an diesem Projekt, sodass durch Großspenden von Kaiser Wilhelm dem I. und einigen Großspendern das Denkmal im Jahre 1875 festlich eingeweiht werden konnte. Sein Erbauer Ernst von Bandel überlebte die feierliche Einweihung nur um ein Jahr.
Hermann der Große hat eine Höhe von 26,57 m und besteht aus einer Eisenrohrkonstruktion mit einer Oberfläche aus Kupferplatten. Der Unterbau des Denkmals hat einen runden Grundriss und ist ca. 26 m hoch. Er besteht aus Sandstein. Für den Bau des Sockels wurden auch Steine der prähistorischen Grotenburg verwendet, sodass die Fliehburganlage fast gänzlich zerstört wurde.
Die überlebensgroße Hermannsfigur ist mit einer antiken Rüstung bekleidet. Der rechte Arm ist emporgestreckt. Er hält ein 7 m langes Schwert, das ca. 550 kg wiegt. Der linke Arm lehnt auf einem mächtigen Schild. Die Informationen über die Kleidung Hermanns stammen wahrscheinlich aus den Werken des Tacitus. Stammeszeichen fehlen gänzlich an der Figur.
Von der Aussichtsplattform blickt man bei klarem Wetter über den Teutoburger Wald und das Eggegebirge oder die Köterburg bei Höxter.
In den 1950er und 60er Jahren war das Denkmal ein beliebtes Ausflugsziel mit teilweise mehr als einer Million Besuchern. In den vergangenen 15 Jahren sind die Besucherzahlen leider rückläufig. Dennoch ist das Hermannsdenkmal eines der bekanntesten Sehenswürdigkeiten mit jährlich mehreren hunderttausend Besuchern und wichtiger touristischer Werbefaktor für diese Region. Über den historischen Hintergrund und die Baugeschichte des Denkmals gibt es zahlreiche Publikationen, die an den Kiosken und in den Gastronomien rund um das Denkmal zu erwerben sind.
Das Denkmal befindet sich südlich von Detmold in der Nähe der Ortschaft Hiddensen im südlichen Teutoburger Wald.
Die Externsteine
Nach den ältesten heute bekannten Überlieferungen zur Geschichte der Externsteine wurden die Felsen in den meisten Quellen als germanisches Heiligtum beschrieben, das durch Kaiser Karl den Großen zerstört wurde. Ausgrabungen ergaben jedoch keinen eindeutigen Hinweis auf die Nutzung als kultischer Ort. Funde und Anzeichen deuten auf das Mittelalter.
Neuere Auswertungen, insbesondere der Keramikfunde und Metallgüter erbrachte eine Datierung auf das 10. Jahrhundert bis hinein ins 19. Jahrhundert. Nach einer historischen Überlieferung sollen die Externsteine 1093 vom Paderborner Kloster Abdinghof gekauft worden sein. Diese Überlieferungen werden untermauert durch die zahlreichen Felsbearbeitungen aus dieser Zeit. Zum Beispiel das Felsengrab und die obere Kapelle. In der unteren Heiligen-Kreuz-Kapelle befindet sich eine Weihinschrift aus dem Jahre 1115. Das in den Grottenstein gemeißelte Kreuzabnahmerelief stammt aus der Zeit zwischen 1130 bis 1150. Das Relief gilt als älteste in Fels gehauene Großplastik nördlich der Alpen.
Die Felsgruppe ragt in einer sonst fast steinfreien Umgebung bis zu 40 m in die Höhe, besteht aus 13 Einzelfelsen und ist mehrere hundert Meter lang. Die Felsen sind ein Teil der mittleren Gebirgskette des Teutoburger Waldes.
Die Externsteine, die sich nur 8 km entfernt vom Hermannsdenkmal befinden, werden alljährlich von bis zu einer Million Menschen besucht. Einige der bizarren Steine können bestiegen werden. Vom „Gipfel“ der Steine blickt man auf den 1920 angelegten in das Gelände eingebetteten Wiembecke-Teich. Die Spitzen der direkt am Teich gelegenen Felsen sind über schmale Treppenaufgänge sowie über eine Brücke, die in großer Höhe zwei Felsen verbindet, zu erreichen. Auch von hieraus hat man bei gutem Wetter eine fantastische Aussicht und blickt bis zum Köterberg bei Kassel.
Als Naturschutzgebiet besonders wertvoll sind nicht nur die Felsen, sondern vor allem auch die teilweise seltenen Farne, Binsen-Gräser und Moose. Das Gebiet ist von europäischer Bedeutung, was durch eine europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie untermauert wird.
Fürstliches Residenzschloss Detmold
Das malerische Schloss liegt im Zentrum der Altstadt von Detmold und ist die Residenz der Fürsten zur Lippe. Nach einem Besuch und Stadtbummel durch die Geschäfte und Cafés der historischen Altstadt bietet sich der große Schlosspark zum Ausruhen und Entspannen an. Auch eine Besichtigung der 1366 erstmals erwähnten Burg ist für die Freunde historischer Burg- und Schlossanlagen durchaus lohnend. Die Führungen dauern 40-45 Minuten und finden im Sommer zu jeder vollen Stunde statt. In der Soester Fehde ließ der Erzbischof von Köln im Jahre 1447 die Burganlage und die Stadt Detmold zerstören. Bereits wenige Jahre später wurde die alte Burg wieder aufgebaut und mit einer mächtigen Wallanlage umgeben. Seit 1511 dient die Burg (heute Schloss) den lippischen Landesherren als Residenz. Um 1780 wurden die Befestigungsanlagen beseitigt, um Raum für den großzügigen Schlosspark zu schaffen. Auf Wiesen des Parks lagern im Sommer viele Bürger und Tagestouristen um sich auszuruhen, zu entspannen und die Sonne zu genießen.
Im Schloss finden regelmäßig Ausstellungen statt, wie die Sonderausstellung „Jagdwaffen aus 4 Jahrhunderten“ oder die „Medienschau Schloss Detmold und die Weserrenaissance“. |
| |
|
Archiv
|
Aktuelles
Ziel:
Ein Sonntagsausflug durch Teutoburger Wald und Lipperland
|
|
|