Westfalen von oben
Flugschule Marl FSM Hülsstraße 301
45770 Marl 02365 82249 www.flugschule-marl.de
|
Das Wetter am 27. Juni 2007 war nicht gerade ideal um den lange geplanten Rundflug in der kleinen Cessna 172 entspannt genießen zu können. Wir waren für 11.00 Uhr auf dem Flughafen Loemühle mit dem Fluglehrer Mark Grulich verabredet.
Da es seit dem Sommeranfang am 21. Juni täglich stürmte und regnete, drohte unser Flug, im wahrsten Sinne des Wortes, ins Wasser zu fallen, denn auch am 27. Juni regnete es um 10.00 Uhr noch in Strömen. Als wenn Petrus ein Einsehen hätte, riss danach der Himmel auf. Nach einem kurzen Anruf bei Mark Grulich, dem Leiter der Flugschule Marl, entschlossen wir uns gemeinsam, den geplanten Rundflug durchzuführen. Bei unserem Eintreffen war der Himmel nur noch teilweise bedeckt und ab und zu ließ sich sogar die Sonne sehen. Nach einer kurzen Einweisung und der Äußerung unserer gewünschten Flugroute, wurden wir dem Fluglehrer Elmar Bomholt zugeteilt, der an diesem Vormittag mit uns den Rundflug durchführen würde. Wir hatten die Route so gewählt, dass der Pilot sie in einer halben Stunde abfliegen konnte. Eine halbe Stunde Rundflug wird sehr gerne als Gutschein zu besonderen Anlässen verschenkt. In der Gastronomie ist das Verschenken von Gutscheinen seit vielen Jahren sehr populär. Der Gutschein für eine halbe Stunde Rundflug kostet in etwa soviel wie ein Viergänge-Menü und bietet den Fluggästen die Möglichkeit, ihre Heimat einmal aus einer anderen Perspektive zu sehen. Hobbyfotografen kommen hierbei voll auf ihre Kosten. Unvergessliche Motive erwarten sie. Für diese halbe Stunde hatten wir uns folgende Strecke ausgesucht: Zielpunkt 1 ist der 11 km entfernte Halterner Stausee, von hieraus geht es zum 23 km entfernten Wasserschloss Nordkirchen, das wir einmal komplett umrunden. Auf dem Weg dorthin überfliegen wir die Kanalschleuse in Haltern – Flaesheim. Das letzte Teilziel ist das vom Wasserschloss Nordkirchen ca. 30 km entfernte Schiffshebewerk in Henrichenburg.
Als wir vom Büro der Flugschule FSM zur Maschine gingen, hatte sich das Wetter, bis auf den teils böigen Wind, so gebessert, dass wir eine gute Sicht erwarten konnten. Einsteigen, anschnallen und ab aufs Rollfeld. Redaktionskollege Badde nahm auf dem Rücksitz Platz, um die Streckennotizen für den Bericht aufzuzeichnen, während ich mit der Kamera bewaffnet auf dem Backbord-Sitz Platz nahm. Um 11.44 Uhr hob die Cessna 172 (172 PS, 4 Sitze, Baujahr 1972) von der Startbahn ab. Schnell hatten wir unsere Reiseflughöhe von 700 m erreicht. Die Außentemperatur betrug 8 °C und die Windgeschwindigkeit 20 kn (ca. 37 km/h). Auf dem Flug zum Stausee hatten wir Rückenwind und erreichten so eine Geschwindigkeit von 210 km/h.
Bereit kurz nach dem Start sahen wir auf der linken (backbord) Seite die große Industrieanlage der Chemischen Werke Hüls. Bereits um 11.50 Uhr erreichten wir den Halterner Stausee. Am Anlegesteg zur Hullerner Straße hatte das Ausflugsschiff Möwe festgemacht. Das Tagungshotel Seehof bot aus der Vogelperspektive einen imposanten Anblick. Besonders gut waren aus der Luft der alte Trakt und der große neue Tagungstrakt zu erkennen.
Das Fotografieren bei diesem böigen Wetter war nicht gerade einfach. Das Fenster ließ sich leicht nach oben aufklappen und blieb auch durch den Fahrtwind bedingt in der Position.
Aufgrund von Erfahrungen aus der Vergangenheit wickelte ich den Kameragurt um meinen linken Unterarm, damit mir diese bei einer eventuellen Windböe nicht aus der Hand gerissen werden konnte. Wie ich es vermutet hatte schlug ein so starker Winddruck auf die Kamera, dass ich sie nur mit großer Mühe in Schussposition bringen konnte. Besonders schwierig war es das Teleobjektiv in der richtigen Position zu arretieren. Die Kamera vibrierte sehr stark und ich musste sie mit beiden Händen festhalten und das Objektiv fest umgreifen, damit es sich durch den starken Winddruck nicht permanent verstellte. Es war während des gesamten Fluges sehr schwierig, bei jedem Objekt den geeigneten kurzen Augenblick zu erwischen um ein halbwegs gutes Foto machen zu können. Nachdem die Fotos von dem jeweiligen Zielpunkt im „Kasten“ waren, musste das Fenster geschlossen werden. Da diese Tätigkeit 10 – 15 Mal wiederholt wurde, hatte ich als Schreibtischtäter nach dem Flug einen Muskelkater im linken Unterarm. Auf dem Weg zum Wasserschloss überflogen wir auch die Flaesheimer Schleuse und den Ternscher See. Um 11.59 Uhr erreichten wir das Westfälische Versailles – Wasserschloss Nordkirchen. Eine großartige Schlossanlage, in der heute die Landesfinanzschule und das Gourmetrestaurant von Franz L. Lauter zu Hause sind. Einmal umrunden und ab zum Schiffshebewerk. Von nun an hatten wir Gegenwind und kamen nur noch auf eine Fluggeschwindigkeit von 150 km/h. Die Maschine lag sehr unruhig in der Luft, wurde gerüttelt und geschüttelt und sackte auch schon einmal etwas nach unten durch. Als dann noch einige, enge Kurven geflogen wurden um die Fotomotive möglichst gut zu erwischen, machte sich Übelkeit bei mir bemerkbar.
Um 12.06 Uhr überflogen wir Waltrop und um 12.09 Uhr erreichten wir die Schiffshebewerke in Henrichenburg und sahen einer Schiffsschleusung aus der Luft zu. Nachdem wir auch das Hebewerk einmal umrundet hatten, ging es zurück zum Flugplatz Loemühle, auf dem wir um 12.18 Uhr zur Landung ansetzten. Die gewählte Flugroute stellte sich im nach hinein als ungemein interessant heraus. Wir sahen große Industrieanlagen, schöne Landschaften, Schlösser und Industriedenkmäler - und das alles in etwas mehr als einer halben Stunde. Erleben Sie Ihre Heimat einmal von oben oder zeigen Sie die schönsten Objekte unserer Region einmal Ihren Kindern oder Enkeln. Ein tolles Erlebnis – vor allem bei schönem Wetter. Für ganz Mutige bietet die Flugschule Marl auch Kunstflüge mit einer Robin 2160D mit 160 PS an. |