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Kanalfahrt von Flaesheim nach Senden

Kanalfahrt mit der Isis
von Flaesheim nach Senden




Kanalfahrt mit der Isis<br>von Flaesheim nach Senden
Es gibt kaum eine intensivere Art, eine Region kennenzulernen, als das Wandern oder eine Fahrt mit dem Boot auf unseren Flüssen und Kanälen. Der Sonntagsausflug mit dem Auto führt meist auf dem möglichst kurzen Weg von dem eigenen Wohnort zum gewählten Ausflugsziel. Um Land und Leute kennenzulernen, nimmt das Wandern einen immer größeren Stellenwert ein. Eine Erkundungsfahrt mit dem Boot ist auch heute noch etwas ganz Besonderes und eignet sich nicht für den Massentourismus.

Erstens kann man nicht direkt vor seiner Haustür starten und hat man sich einmal für einen Kanal und eine Richtung entschieden, kann man keine Abkürzungen nehmen und das Ziel auch nicht abrupt ändern. Außerdem ist ein eigenes Boot eine kostspielige Angelegenheit. Die meis­ten Menschen nutzen daher den Pkw und sind es gewohnt, ihr Reiseziel in möglichst kurzer Zeit zu erreichen. Da bleibt wenig Zeit, die Umgebung zu betrachten. Auf einem Bootsausflug ist alles anders. Die Reisegeschwindigkeit auf unseren Kanälen beträgt 12 km/h. Da heißt es umdenken. Entschleunigen heißt das Zauberwort. Für kurze Distanzen benö­tigt man wesentlich mehr Zeit als gewohnt. Umdenken ist angesagt. Erst wenn das gelungen ist, beginnt das entspannte Reisen. Nun machen wir unseren kleinen Entdeckungsausflug nicht mit einem der auf allen Kanälen bei Kegelclubs und Vereinen so beliebten Ausflugsschiffe, sondern mit der ISIS, einer 9,50 m langen Super van Craft, Baujahr 1964. Damit wird der ganze Ausflug zu einer abenteuerlichen Entdeckungsreise. Eine Erkundungsreise durchs südliche Münsterland, wobei wir nicht wissen, was wir zu sehen bekommen werden. Und dann sind da ja auch noch die Schleusen, die das Ganze zu einem kleinen Abenteuer machen, wenn man als Besatzungsmitglied auf Zeit nicht täglich damit zu tun hat.

Wie kommt man zu einem Boot oder einer Mitfahrgelegenheit? Idealerweise ist man selbst im Besitz eines Motorbootführerscheins (mit dem Motorbootführerschein „Binnen A“ können Sie Boote bis 15 m Länge und 15 t Gewicht steuern) und verfügt über ein eigenes Boot. In einigen Yachthäfen (z. B. Marina Rünthe) kann man auch ein Boot chartern. Vereinzelt sind auch Boote mit Skippern zu mieten. Wenn man, wie in unserem Fall, Freunde mit einem eigenen Boot hat, ist das eine herrliche Sache. Die Super van Craft von Dieter und Susanne Küppers liegt in der neuen Marina von Haltern-Flaesheim. In einem Seitenarm des Wesel-Datteln-Kanals wurde 2006 in einem ehemaligen Baggersee, der über eine Öffnung zum Kanal verfügt, eine komplett neue, moderne Marina eingeweiht. Wir haben uns, an einem Sonntagmorgen Anfang September, für 8.00 Uhr am Liegeplatz der ISIS mit den Küppers zum Bootsausflug verabredet.
Die Besatzung für diese Fahrt bestand aus dem Skipper Dieter und seiner Crew Susanne und Margret.

Proviant nehmen, kleine Lagebesprechung und Aufgabenverteilung. Um 8.30 Uhr wurde mit dem Ziel Senden abgelegt. Laut Karte gab es unterwegs einige kleine Marinas und auch Restaurants bzw. Ausflugslokale mit Anlegemöglichkeiten. Selbstredend wollten wir in einem dieser Lokale einkehren. Ein leichter Nebel lag über der Marina. Der Wetterbericht sagte aber einen sonnigen Tag voraus. Als wir an Kanalkilometer 51,165 die Westlevener Bücke passierten, war der Nebel allerdings so dicht geworden, dass von entspannter Fahrt nicht mehr die Rede sein konnte. Die mehr oder weniger angespannte Diskussion drehte sich natürlich darum, ob der Nebel dichter würde oder ob wir die Fahrt sogar abbrechen müssten. Als wir um 9.00 Uhr die Schleuse Ahsen erreichten, war Schluss mit lustig. Der Nebel war so dicht geworden, dass sich der Schleusenwärter weigerte, uns zu schleusen. Zugegeben, aus 50 m Entfernung konnten wir das Schleusentor nicht erkennen. Eine Stunde Wartezeit brachte unseren Zeitplan etwas durcheinander – aber wir wollten ja entspannen und genießen, was macht da schon eine Stunde Wartezeit. Zwischenzeitlich machte auch noch ein dänischer Segler hinter uns fest. Die Sonne gab ihr Bestes, der Nebel lichtete sich und um 10.00 Uhr öffnete sich das Schleusentor. Der Däne fuhr als Ers­ter in die Schleuse ein und machte an der rechten Schleusenmauer fest. Dieter hatte sich die Linke ausgesucht. Das Festmachen klappte aber nicht auf Anhieb. Susanne, die zum ersten Mal schleuste, war etwas nervös. So machten wir schließlich an der Backbordseite (für Landratten: die linke Seite) fest. Um 10.15 Uhr war die Schleusung beendet.
Es konnte nur besser werden, denn zum Üben folgte gleich im Anschluss die Schleuse Datteln. Hier klappte schon alles wesentlich besser, da auch Margret jetzt mit eingeteilt war. Sie hatte als ehemalige Miteignerin eines 11-m-Bootes schon einige zig Schleusungen hinter sich gebracht, auch wenn das schon 20 Jahre zurücklag. Nachdem alle Manöver geklappt hatten, wir das Schleusentor passierten, die Fender wieder eingeholt waren und auch die Sonne ihre Arbeit einigermaßen gut machte (es war immer noch etwas diesig), begann der entspannte Teil der Fahrt.

Datteln ist ein Wasserstraßenkreuz. Hier beginnt auch der Datteln-Hamm-Kanal. In Richtung Hamm passieren Sie den Yachthafen Waltrop (Ribbrock) und die überregional bekannte Marina-Rünthe. Hier wurde aus einem alten Industriehafen eine der größten Marinas der Region (ca. 250 Boote), mit allen Serviceeinrichtungen und einer anspruchsvollen und vielfältigen Gastronomie.

Wir wechselten an diesem Tag jedoch vom Wesel-Datteln-Kanal in den Dortmund-Ems-Kanal.
Nun gab es auch etwas auf die Gabel: Kartoffelsalat, Würstchen und ein Glas Primarillo. Skipper Dieter übte sich komplett in Enthaltsamkeit, während wir bei langsamer Fahrt die Landschaft, den Kartoffelsalat und den Primarillo genossen. Um 12.05 Uhr erreichten wir die Alte Fahrt Olfen. Schön romantisch, fast wie eine Flusslandschaft. Büsche und Bäume haben das steinige Kanalufer im Laufe der Jahre überwachsen. Kleiner Yachthafen, aber kein Restaurant. Also weiter in Richtung Senden. An den Ufern waren auf mehrere Kilometer Länge, als Folge des Dammbruchs im Jahre 2006, noch Wasserbau-Reparaturtrupps im Einsatz.

Von Idylle keine Spur. Nach diesem Abschnitt konnten wir endlich die schöne Landschaft des Münsterlandes genießen. Fahrradfahrer auf den Uferwegen und Reiter auf den Feldwegen dahinter. Wiesen, Felder und Wälder. Links und rechts (Backbord und Steuerbord) die ausgedehnte Parklandschaft des Münsterlandes. Als wir die Alte Fahrt Lüdinghausen II erreichten, war es bereits 13.50 Uhr. Die Sonne bekam die Sache mit dem Nebel immer noch nicht endgültig in den Griff – es blieb etwas diesig. Um 14.10 Uhr erreichten wir den Yachthafen Tomberge in Senden. Hier entschlossen wir uns umzukehren, denn wir hatten beim Passieren der Alten Fahrt Seppenrade von Weitem einen direkt am Wasser gelegenen Gasthof gesehen. Da wollten wir jetzt hin, denn alle hatten Kaffeedurst.

Als wir wieder auf dem Wesel-Datteln-Kanal unterwegs waren, kam es an einer Engstelle bei Kanalkilometer 40,8 zwischen zwei Berufsschiffern zu einer Begegnung der besonderen Art. Zwei Holländer, ein Schubverband aus Haaren (ca. 200 m lang) und ein kleines 80 m langes Motorschiff, konnten sich nicht einigen, wer als Erster die Engstelle passieren durfte. An den Ufern stehen einige hundert Meter vor den Baustellen jeweils Gebotsschilder, dass die Kapitäne sich mit Sprechfunk zu verständigen haben, wer als Erster die Engstelle zu passieren hat (im Zweifelsfall haben die Bergfahrer immer Vorfahrt). Das war in diesem Fall das kleinere Boot. Der Schubverband fuhr aber als Erster in die Baustelle und der Kapitän des kleinen Bootes machte den Weg nicht frei. Eine Viertelstunde wurde diskutiert, bis der Schubverband, der sich schon in der Engstelle befand, den Rückwärtsgang einlegte und mit einem mehrere Minuten dauernden Manöver den Weg für den „Kleinen“ frei machte. Wieder verloren wir viel Zeit, denn wir wollten ja noch zu Kaffee und Kuchen. So richtig entschleunigt waren wir wohl noch nicht. Um 17.00 Uhr erreichten wir den Gasthof Peters in der Alten Fahrt Sepppenrade.

Direkt am Wasser gelegen, mit großem Biergarten – ein Paradies für Wasserwanderer und Radfahrer. Kaffee und Kuchen, Salat mit Putenbruststreifen, ein Bierchen und Sonnenschein – was will man mehr. Gut gestärkt und gut gelaunt traten wir um 18.30 Uhr die Rückfahrt nach Flaesheim an. Vor der Schleuse Datteln hatten wir noch einmal eine lange Wartezeit zu überbrücken, weil der Schleusenwärter auf einen Berufsschiffer wartete. Die Schleusen Datteln und Ahsen wurden dann ganz souverän gemeistert. Als wir um 20.40 Uhr die ISIS wieder an ihrem Steg vertäuten, ging es noch zu einem Absacker und einer Currywurst in das Bistro der Marina Flaesheim. Wer das Münsterland einmal auf eine etwas andere Art erkunden will, dem kann man eine solche Bootsfahrt nur empfehlen. Die Anschaffung eines eigenen Bootes ist nicht unbedingt erforderlich. Schon gar nicht, wenn man gute Freunde hat.

Die Fahrt wurde beobachtet und beschrieben von Passagier Gerhard Besler.