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Westfalen Culinarium

Westfalen Culinarium



Westfalen Culinarium
Ein kleiner heilklimatischer Kurort mit ca. 7500 Einwohnern bringt seinen Gästen die traditionell westfälischen Geschmackserlebnisse in Reinkultur nahe. Das Museum der westfälischen Genüsse lockt alljährlich sechsstellige Besucherzahlen nach Nieheim.

Alle zwei Jahre (in den geraden Jahren), jeweils am ersten Septemberwochenende findet im historischen Ortskern der Deutsche Käsemarkt statt. Alleine an diesem Wochenende finden sich 60.000 Käseliebhaber aus dem In- und Ausland in Nieheim ein. Rund 80 handwerklich produzierende Käsereien aus ganz Europa bieten dann ca. 500 verschiedene Käsesorten zum Probieren und kaufen an. Nieheim gilt inzwischen als Deutschlands Käsehauptstadt.
Bis es soweit war, mit dem Museum „WESTFALEN CULINARIUM“ und der Straße der Genüsse, hatten die Nieheimer einen 15 Jahre währenden Streit mit den Behörden auszufechten. Nieheim liegt in einer strukturschwachen Region, in der die Steuerkraft ca. 50 Prozent unter dem Landesdurchschnitt von NRW liegt. Wenn man während eines Ausfluges mit seinem Auto im Teutoburger Wald unterwegs ist und sich dieser Region nähert, kann der aufmerksame Betrachter das auch erahnen. In den 1980er Jahren plante wahrscheinlich genau aus diesem Grund das Land Nordrhein-Westfalen hier eine Sondermülldeponie. Letztendlich war der lange Weg der Nieheimer durch die gerichtlichen Instanzen erfolgreich. Heute ist die kleine Stadt gar als heilklimatischer Kurort anerkannt. In 2006 setzte der Lehrer Theo Reineke mit der Gründung des WESTFALEN CULINARIUM einen musealen Meilenstein. Die Lange Straße, im historischen Ortskern, wurde so nach einem Jahr Bauzeit zur Museumsmeile ausgebaut. Mit dieser Erlebnismeile will Theo Reinecke, der Geschäftsführer von WESTFALEN CULINARIUM mehr Touristen in die Stadt locken. „Eine schöne Landschaft und gesunde Luft haben andere Städte auch“, meint Theo Reinecke. „Unser Profil sollte etwas Besonderes sein.“ Durch ihren „Nieheimer Käse“ kamen die Ostwestfalen auf die regionale Lebensart der gesamten Region, was auch den für die Förderung zuständigen NRW Ministerien gefiel. Das Land NRW und die EU förderten dieses 3,2 Millionen Euro teure Projekt mit 70 Prozent. Den Differenzbetrag müssen die Nieheimer nun selbst erwirtschaften. Namhafte Sponsoren helfen ihnen dabei. Die Idee hat sich so erfolgreich entwickelt, dass dem WESTFALEN CULINARIUM im Jahre 2006 der Deutsche Tourismuspreis verliehen wurde.

Schinken, Käse, Brot und Bier
Der würzige, nur optisch dem Harzer Roller ähnliche, Nieheimer Käse spielt für die Stadt schon seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle. Schon König Wilhelm I. (der spätere deutsche Kaiser) begeisterte sich 1865, während seines Besuchs im benachbarten Schloss Corvey, für die würzige Nieheimer Spezialität. Er ließ sich den Kleinen mit Kümmel auf der königlichen Zunge zergehen. Heute tun dies Gäste aus der ganzen Welt.
Die „Westfälisch-Kulinarische Museums- und Erlebnismeile“ kurz WESTFALEN CULINARIUM ist keine touristische Fressgasse im herkömmlichen Sinn, sondern museal-pädagogisch aufgebaut. Für jedes der westfälischen Grundnahrungsmittel Käse, Brot, Schinken und Bier, wurde in historischen Gebäuden der Innenstadt ein eigenes Museum eingerichtet. Die aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäude waren damals sämtlich in einem schlechten Zustand, eines gar eine Brandruine. Die Gebäude wurden aufwendig saniert, bevor die Museen darin eingerichtet wurden.
In den Museen können die Besucher die westfälischen Spezialitäten mit allen fünf Sinnen entdecken. So will das WESTFALEN CULINARIUM zum Genießen verführen. Dabei wird im Wesentlichen die Kulturgeschichte der Nahrungsmittel erklärt, weniger jedoch die Herstellungsweise.
Die Museumleitung hat dabei alle Register der modernen Museumspädagogik gezogen. Interaktivität ist hier kein Fremdwort. Die Besucher werden nicht nur durch Großfotos und Schautafeln informiert, sondern mit Filmen, interaktiven Computerterminals, mit Geruchsproben, Hörspielen und sogar mit Kühen, die der Besucher melken kann.
Im westfälischen Schinken Museum hängt der Himmel voller Schinken. Fein säuberlich verpackt in blau-weißen karierten Leinensäcken. Schinken ist ein Paradebeispiel dafür, wie Lebensmittel schon vor Jahrhunderten haltbar gemacht wurden.
Unsere Region blickt auf eine besonders lange Tradition, mindest ein Jahrtausend, zurück. Schon Heinrich Heine bezeichnete unsere Region als Vaterland des Schinkens.
Die Konservierung mit Salz oder durch Räuchern gehört dabei zu den ältesten überlieferten Methoden. Einen guten Schinken herzustellen ist sehr zeitaufwendig und arbeitsintensiv.
Alle Arbeitsschritte, vom Einsalzen über die Reifezeit, in der der Knochenschinken in regelmäßigen Abständen abgewaschen wird, bis hin zum Anschnitt – alles reine Handarbeit.
Die Qualität eines guten Schinkens ist abhängig von vielen verschiedenen Faktoren. Besonders wichtig dabei ist neben der Rasse und artgerechter Haltung der Schweine die Lagerung und Reifung. Je länger die Reifungsphase, desto höher die Qualität.
Ein altes westfälisches Sprichwort sagt: „Sowohl das Schwein als auch der Schinken müssen Geburtstag gefeiert haben!“
  • Guter Rohschinken wird immer mit Schwarte, oft sogar mit Knochen hergestellt.

  • Geräucherter Schinken sollte dunkelrot sein, luftgetrockneter kupferrot.

  • Rohschinken darf niemals feucht sein.

  • Ein grüner Schimmer ist ein Zeichen für Verderb.

  • Blasser Schinken ist ein Indiz dafür, dass die Schweine zu schnell gemästet und zu früh geschlachtet wurden.

  • Je dünner ein Schinken geschnitten ist, umso besser kommen die Aromen zur Geltung.
    Mehr Infos hierzu im Schinkenmuseum.

Deutsches Käse Museum
Käse gibt es, seit Kühe, Ziegen und Schafe Milch geben. Seine Entstehung war wahrscheinlich reiner Zufall. Hirten füllten morgens ihre Tagesration Milch in getrocknete Kälbermägen. Darin befanden sich außer der Milch Reste des Verdauungsenzyms Lab. Zusammen mit der Hitze reagierte das Lab im Laufe des Tages und verwandelte die Milch zu einem weißen dicklichen Klumpen, der in wässriger Molke schwamm. Der erste Käse war entstanden. Man geht davon aus, dass seit Beginn der Viehzucht (um 10.000 v.Chr.) Käse bewusst hergestellt wird.
Das Käsemuseum ist ein Museum zum Anfassen. Hier kann der Besucher sogar Kühe melken. Und mithilfe zweier drehbarer Tafeln kann er lernen, wie sich Käse und Wein miteinander harmonisch kombinieren lassen. Leuchtet ein grünes Lämpchen, passen beide Sorten zueinander.

Wussten Sie schon, dass …
  • es mehr als 4 000 unterschiedliche Käsesorten auf der Welt gibt?

  • jeder Deutsche durchschnittlich 22 kg Käse pro Jahr isst?

  • Deutsche häufig holländischen und französischen Käse kaufen?

  • Rohmilchkäse als Geschmackswunder gelten?

  • Nur 5 % der Deutschen nicht so gerne Käse essen?

  • „Nieheimer Gold“ ein typischer Sauermilchkäse der Region ist und Nieheim zur Käsehauptstadt Deutschlands gemacht hat?

Westfälisches Brot Museum
Hier kann man dem Bäckermeister Ansgar Westerwelle beim Brotbacken zuschauen. Im Museum steht der größte direkt beheizte Steinofen Deutschlands. Im Brotmuseum befindet sich auch ein Backshop, in dem täglich frischgebackenes Brot und Kuchen gekauft werden kann.
Die Geschichte des Brotes beginnt in der Jungsteinzeit, als der Mensch sesshaft wurde, Ackerbau betrieb und auch Getreide kultivierte. Das Getreide wurde zerstampft und aus einem Mehlbrei wurde Fladenbrot gebacken.
Im Mittelalter wurde Backen zu einem Gemeinschaftserlebnis. Das Backhaus gehörte der Dorfgemeinschaft und konnte von allen Bewohnern genutzt werden. Allerdings wurde nur an bestimmten Tagen gebacken, weil das Aufheizen eines Steinofens sehr aufwendig und kostspielig war. Damit jeder seine Brotlaibe wiederfand, kennzeichnete er die Laibe mit einem Stempel. Wer dennoch lieber zuhause backte, galt als „Eigenbrötler“.

Der Steinbackofen
Ein guter Steinbackofen muss seine Temperatur lange halten können. Die Steine geben die Wärme an den Teig ab, wobei die Temperatur zu Beginn sehr hoch ist und im Laufe der Zeit abfällt. Dadurch und durch die lange Backzeit erhält das Steinbackofenbrot sein kräftiges Aroma.

Wussten Sie schon, dass …
  • Brotbacken und Bierbrauen eng miteinander verknüpft waren und das Backhaus früher oft gleichzeitig Brauhaus war?

  • sich 84 % der Deutschen ein Leben ohne Brot nicht vorstellen können?

  • ein Brotteig immer aus den Grundzutaten Mehl/Schrot, Wasser, Hefe/Sauerteig und Salz besteht?

  • die kräftig angestiegenen Brotpreise gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Frankreich Mitauslöser für die Französische Revolution waren?

  • die Römer mit „Brot und Spielen“ Unruhen in der Bevölkerung vorbeugten?

Westfälisches Bier- und Schnaps Museum
Hier stehen sie noch, die Sudkessel aus Kupfer und vermitteln dem Besucher genau den Eindruck, wie er sich schon immer eine historische Brauanlage vorgestellt hat. Überraschend vielleicht, dass die Frauen im Museum den Ton angeben. Bierbrauen lag in der Hand der Frauen. Der Sudkessel gehörte deshalb in westfälischen Dörfern noch bis in das 18.Jahrhundert zur Mitgift der Frau.
War einer Brauerin ihr Sud besonders gut gelungen, lud sie ihre Nachbarinnen zu einem Bierkränzchen (Vorstufe des heutigen Kaffeekränzchen) ein.
Auch gab es spezielle Bierkneipen für Frauen, die „Weiberzechen“ oder Weiberschulen“. Männer hatten darin nichts zu suchen.
Ursprünglich wurde Bier nicht aus Hopfen, sondern aus Grut gebraut. Einige der verwendeten Kräuter konnten Halluzinationen auslösen. Hinzu kam, dass der Brauprozess oft nicht glückte und das Bier schlecht wurde. Auch wurde oft verunreinigtes Wasser verwendet. Es kam sogar vor, dass Menschen an verunreinigtem Bier starben.
Seit 1516 wird deutsches Bier nach dem Reinheitsgebot gebraut. Das von Herzog Wilhelm erlassene Gesetz ist damit die älteste noch geltende lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt.

Übrigens: Selbstverständlich können Sie im Biermuseum können Sie im Biermuseum und im Bistro des WESTFALEN CULINARIUM auch das hier gebraute „Nieheimer Bürgerbier“ genießen.

In diesem Bistro gibt es viele kleine westfälische Spezialitäten zu moderaten Preisen. Da sind die WESTFÄLISCHEN HANGREIFLICHKEITEN (z. B. Holzofenbrot mit Schinkenpfännchen oder Nieheimer Goldklümpchen mit verschiedenen Dips). Für den etwas größeren Hunger darf der westfälische Pfefferpotthast und der Nieheimer Goldtaler im Biermantel auf der Karte natürlich nicht fehlen. Frischgebackener Butterkuchen, Streuselkuchen oder westfälischer Apfelsandkuchen schmeckt zu dampfendem Kaffee.

Das WESTFALEN-CULINARIUM bietet seine und viele andere handwerklich hergestellte Produkte in dem eigenen Shop an. Alle Museen sind täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet.

Den Gästen, die bis zum Abend bleiben, hier übernachten oder gar einen Kurzurlaub verbringen, sei empfohlen, sich unbedingt den Veranstaltungskalender anzusehen.
So veranstaltet das Künstler-Tourismus und Kulturamt regelmäßig die Nieheimer Kulturnacht. Hier kommen Nachtschwärmer auf ihre Kosten. Kunst, Musik und Mitternachtsshopping stehen auf dem Programm. Traditioneller Jazz, Ragtime, Blues und Dixieland werden live im Käsemuseum aufgeführt. Märchen für Erwachsene, wie „Die Schöne & das Tier“ oder „Rotkäppchen und Co.“ Sorgen für eine unterhaltsame und kurzweilige Kulturnacht.

Ausführliche Informationen inklusive Veranstaltungskalender erhalten Sie unter:

WESTFALEN CULINARIUM
Westfälisch-kulinarische
Museums- und Erlebnismeile GmbH
Lange Straße 12
33039 Nieheim
Telefon: (05274) 9529241
www.westfalen-culinarium.de