|
|
Bergbau im Sauerland – Besucherbergwerk Ramsbeck |
Bergbau im Sauerland
Glück-Auf-Straße 3
59909 Bestwig Ramsbeck 02905 250 02905 850540 www.sauerlaender-besucherbergwerk.de
|
Als am 31. Januar 1974 das Bergwerk Ramsbeck geschlossen wurde, ging eine Jahrtausende alte Bergbautradition für immer zu Ende. Im Sauerland wurden schon Eisenerz und Nichteisenmetalle abgebaut als noch niemand an den Bergbau im Ruhrgebiet gedacht hat. Lange bevor es das Ruhrgebiet gab, war das Sauerland eine bedeutende Montanregion.
Einige historische Quellen legen den Beginn des Erzabbaus im Sauerland in die Eisenzeit (700 bis 15 v. Chr.). Neuere Forschungen gehen davon aus, dass zumindest seit der römischen Herrschaft in Germanien in der Gegend von Brilon systematisch Blei abgebaut wurde. Der Abbau von Blei und Zink in Ramsbeck kann urkundlich für das Jahr 1518 nachgewiesen werden. Durch einen Erlass des Kurfürsten von Köln wird dem Ort 1559 die Bergfreiheit verliehen. Seit dieser Zeit bildete die Förderung von Blei und Zink für eine lange Zeit die Lebensgrundlage der Ramsbecker Bevölkerung.
Ab dem 16. Jahrhundert war der Bergbau im Sauerland von erheblicher Bedeutung. Bergordnungen wurden ab dem Jahre 1533 erlassen. Diese beschäftigen sich unter anderem mit dem Stollenabbau, wie er im Sauerland ab etwa 1530 betrieben wurde. Auch der Eisenerzbergbau gewann ab dem 16. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung. Zum Ende des 16. Jahrhunderts waren im Geogericht Brilon 16 Bergwerke und 23 Hütten registriert. In der Blütezeit des Bergbaus, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, waren in den Sauerländer Bergwerken bis zu 3 000 Bergleute beschäftigt. Im vergangenen Jahrhundert war es in den Jahren 1967 bis 1974 der größte Produzent von Zinkkonzentrat in Europa. Noch bis 1992 wurde in Meggen (Sicilia-Bergwerk) Metallerz abgebaut. Heute gibt es im Sauerland zahlreiche Bergbau-Denkmäler und auch Besucherbergwerke. Wir waren am 10.09.2009 für Sie auf den Spuren des Sauerländer Bergbaus im Besucherbergwerk Ramsbeck.
Bergbautradition in Ramsbeck
Ramsbeck ist ein kleiner, staatlich anerkannter Erholungsort im Hochsauerlandkreis und gehört zu der Gemeinde Bestwig. Ramsbeck liegt eingebettet im Tal der Valme zwischen dem 745 m hohen Bastenberg und dem 742 m hohen Dörnberg. Das Dorf Ramsbeck hat heute rund 1 700 Einwohner und gibt sein Alter auf der offiziellen Internetseite des Ortes mit „mindestens“ 481 Jahren an. Die Gründung des Ortes würde dann ungefähr in die Zeit fallen, in der hier der Bergbau erstmals urkundlich erwähnt wurde. Um die Anfänge des Bergbaus in Ramsbeck haben sich verschiedene Geschichten und Sagen gebildet, die zurückreichen bis in die Bronzezeit. Im Zusammenhang mit dem 200 m oberhalb des Ortes gelegenen Venetianerstollens ist wegen dessen geringen Abmessungen gar von Zwergen die Rede, die hier das Erz abgebaut haben sollen. Der Sage nach sollen Venetianer den Stollen in den Berg getrieben haben, nachdem sie die Schätze der Zwerge geraubt hatten. Sie hofften hier noch weitere Schätze zutage fördern zu können. Wissenschaftlich untersucht wurde der Stollen in den 1930er Jahren von Professor Quiring, der aufgrund von Vergleichsuntersuchungen in Hallstadt und Mittenberg die Entstehung des Stollens auf 1500 v. Chr. datiert. Angelegt wurden die Stollen von den Venetern, einem kleinen Volk aus den Ostalpen und nicht wie es die Sage behauptet von den Venetiern.
Heute ist Ramsbeck ein Touristenort. Die Geschichte unterscheidet sich jedoch aufgrund der langen Bergbautradition wesentlich von den meisten Touristenorten der Region.
Besucherbergwerk
Am 10.09.2009 um 9.00 Uhr war ich mit dem Museumleiter Mirco Henry Ignatz und dem Führer des Besucherbergwerks Ludger Haite im Besucherbergwerk verabredet. Mit dem Wetter hatte ich bereits zum vierten Mal in Folge in diesem Sommer kein Glück im Sauerland (12 °C und Nieselregen), aber das hatte ja glücklicherweise keinen Einfluss auf die Untertage-Führung im Besucherbergwerk. Unser Führer Ludger Haite hat Bergmann gelernt und war 42 Jahre (bis 1997) in der Hauptgrube der Firma Sachtleben in Meggen als Bergmann beschäftigt. Der aus Minden stammende Museumsleiter Mirko Ignatz, Dipl. Museologe (Museumswissenschaftler), hatte seine Stelle hier erst einige Tage zuvor angetreten. So erhielten er und ich eine „Untertage“-Exklusivführung von dem erfahrenen Ludger Haite. Gegenüber den traditionellen Museumsdirektoren sind Museologen wahre Multitalente. Museologen sind aufgrund ihrer Ausbildung in der Lage sehr viele Aufgaben in musealen Objekten, vor allem in kleinen Einrichtungen, zu bewahren, zu sammeln, zu präsentieren und publikumswirksam zu vermitteln.
Haben wir eingangs über die Frühzeit des Bergbaus in Ramsbeck gesprochen, geht es jetzt um den industriellen, gewerblichen Abbau im Bergwerk Ramsbeck. In den Jahren zwischen 1830 und 1840 wuchs die Ramsbecker Gewerkschaft zum größten Unternehmen mit ca. 220 Beschäftigten. In den Folgejahren geriet das Unternehmen in eine Krise, die zu drastischen Entlassungen führte. Während eines erneuten Aufschwungs in den 1850er Jahren entwickelte sich das Unternehmen zum größten im Sauerland. 1853 hatte das Unternehmen 317 Bergarbeiter und ca. 450 Haldenarbeiter beschäftigt. Nach der Fusion mit der Stolberger AG für Bergbau, Blei- und Zinkproduktion setzte eine beispiellose Expansion des Unternehmens ein. Der Traum vom eigenen europäischen Bergbauzentrum jedoch endete in einem beispiellosen wirtschaftlichen Skandal und finanziellen Desaster. In den folgenden Jahrzehnten gab es viele Auf und Abs, in der sich die Belegschaft zeitweilig von 1 800 Beschäftigten auf bis zu 300 reduzierte. Trotz größter wirtschaftlicher Probleme hatte der Betrieb die Inflationszeit und die Weltwirtschaftskrise überstanden. Nach dem zweiten Weltkrieg ruhte der Bergbau bis 1946. Nach der Wiederaufnahme erfolgte eine umfassende Modernisierung und der Einsatz von Schrappern und pressluftgetriebenen Lademaschinen. In den Jahren 1960 bis 1962 wurde die seinerzeit größte Doppelfördermaschine der Welt, die jemals Untertage eingesetzt wurde, für den Blindschacht 1 errichtet. Sie wurde durch 3000 Volt Gleichstrom angetrieben. Der Trommeldurchmesser für die 43 mm dicken Stahlseile beträgt 4,50 m. Die Förderseile wurden 40 m durch einen Seilgang bis zu den Seilscheiben des Blindschachts geführt. An den Seilenden befinden sich die zwei Förderkörbe mit jeweils 3 Etagen. Auf jeder Etage haben 10 Bergleute oder ein 4 Tonnen Erz fassender Förderwagen Platz. Die „Personenförderung“ erfolgte mit 10 m/s, rasend schnell, wenn man es mit einem Fahrstuhl in einem Hochhaus vergleicht, der mit 3 bis 4 m/s unterwegs ist. Die Materialförderung ist sogar mit 12 m/s unterwegs.
1971/72 erfolgte nochmals eine umfassende Modernisierung. Jetzt wurden dieselgetriebene Schaufellader und Bohrwagen eingesetzt. Mit Hilfe dieser Technik konnte der Metallgehalt von 4,507 % auf 5,607 % gesteigert werden. Mit 10 t je Mann und Schicht lag die Grube in Ramsbeck an der Spitze aller Metallerzgruben in Deutschland. Der Rest ist Geschichte, denn wie bekannt wurde die Grube 1974 geschlossen. Ein herber Schlag für die damals 3 500 Einwohner, denn zu dieser Zeit waren ca. 450 Arbeiter im Bergwerk Ramsbeck beschäftigt.
Wir starteten unsere Exkursion in 354 m über dem Meeresspiegel am Übertage-Bahnhof des Bergwerks. Mit einem eigens für den Bergbau konstruierten Zug (sehr klein, sehr eng, sehr laut) ging es dann 1,4 km hinein in den Dörnberg. Während der Fahrt bis zum Bahnhof Untertage wurde ein Höhenunterschied von 6,5 m auf 360,5 m zurückgelegt. Die Fahrt im Stollen ging tatsächlich bergauf und nicht wie sonst üblich bergab in den Stollen. Man konnte es auch an den Rinnsalen links oder rechts der Strecke ausmachen. Sie flossen auf den Besucher zu und nicht von ihm weg. Nach einigen Minuten Fahrt durch die teilweise sehr enge Strecke, in der die Wagen manchmal nur eine Handbreit an der Felswand vorbeifuhren, erreichten wir den hell ausgeleuchteten Untertagebahnhof. Von hier aus führt uns Ludger Haite in das Herz des Untertagebetriebs, dem Maschinenraum. Hier steht sie also, die einst größte Doppeltrommelfördermaschine der Welt. Sie war der Antrieb für die beiden Förderkörbe (Fahrstühle) im Blindschacht I. Die Förderwagen (Loren) wurden im Blindschacht zur Kippstation transportiert. Die Förderwagen passierten die Kreiselkipper, die mit einem Rüttler versehen waren um vollständig entleert zu werden. Das Schüttgut gelangte dann in den Bunker (Untertage-Lager). Dieser fasste 600 Tonnen bzw. die Ladung von 200 Förderwagen. Hier an der Schüttstelle finden heute die beliebten „Gruben-Light-Dinner“ statt, an denen bis zu 250 Gäste an fein eingedeckten Tischen aus den traditionellen Henkelmännern verköstigt werden. Alljährlich am 4. Dezember findet hier auch die Barbara-Messe statt, an der bis zu 250 Gäste und ehemalige Beschäftigte der Grube teilnehmen. Vom Bunker aus wurde das Fördergut auf einem 1 320 m langen Förderband bis zur Aufbereitung nach Übertage befördert.
Nun kann man die Geschichte des Bergbaus in Deutschland nicht mehr schön reden, denn es ist eine sterbende Industrie. Besucherbergwerke wie Ramsbeck vermitteln dem Besucher aber einen anschaulichen und realistischen Eindruck über die Geschichte des deutschen Bergbaus. Das ist auch der Grund warum die Besucherbergwerke oft von ganzen Schulklassen besucht werden. Wenn Sie Ramsbeck besuchen möchten, empfehlen wir warme Kleidung (es herrschen hier Untertage, im Sommer wie im Winter 14 °C) und festes Schuhwerk. Schutzmäntel und Helme werden gestellt.
Wieder Übertage angekommen, kehrt man gerne in die kleine Gastwirtschaft „Zur Lore“ ein, um bei einer Erbsensuppe oder einem Bergmannsschnitzel die gesammelten Eindrücke noch einmal Revue passieren zu lassen. |
| |
|
Archiv
|
Aktuelles
Ziel:
Bergbau im Sauerland
|
|
|