Beslers historische Städtereise

Bad Driburg ist eine Kleinstadt mit rund 18 700 Einwohnern in Ostwestfalen-Lippe. Bis 1919 hieß die Stadt noch Driburg, also ohne die Bezeichnung „Bad“. Geografisch liegt Bad Driburg am östlichen Steilabfall des Eggegebirges im Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge. Deutschlandweit bekannt ist Bad Driburg vor allem durch sein Heilbad, den Gräflichen Park und die Glasproduktion. Unser Städteführer Thomas Blümel, Küchenchef im Restaurant Caspar’s zeigt uns heute seine Lieblingsorte sowie die historische Innenstadt, und einige Sehenswürdigkeiten, die Sie unbedingt besucht haben müssen.

Wichtigster Ort der Geschichte der Stadt ist die Iburg auf dem 380 m und 170 m über dem Tal gelegenen Sporn der Egge. Von frühester Besiedlung zeugen Hügelgräber aus der Bronzezeit. Die Fränkischen Reichsannalen erwähnen die Iburg 753, als dort Hildegar, der Erzbischof von Köln, von den Sachsen getötet wurde. Nach einer Quelle von 1400 schenkte Karl der Große 799 die Burg dem Bischof von Paderborn, welcher innerhalb der Burgmauern die Petruskirche errichtete.

Im 10. Jahrhundert gehörte der Burgberg dem freiweltlichen adligen Damenstift Heerse (868 – 1803). Bischof Bernhard II. von Paderborn errichtete 1189 innerhalb der älteren Anlage eine Ritterburg, die 1223 erweitert wurde, aber 1444 während der Soester Fehde niedergebrannt wurde. Seitdem ist die Iburg eine Ruine.

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Die Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul

Die Iburg wurde namengebend für den Ort Driburg (Ersterwähnung 1253). Die Stadtrechtverleihung ergibt sich aus einer Urkunde dieses Jahres, die von Richtern und Ratsherren bezeugt wurde. 1345 bestätigt Bischof Balduin von Paderborn sämtliche Stadtrechte. Die zu dieser Zeit kleine ovale Stadtfläche lag rund um die Pfarrkirche. Von der ehemaligen Stadtummauerung wurde neuerdings ein Teil an der Mühlenpforte wieder hergestellt.

In der fürstbischöflichen Epoche bis 1802 war die Vogtei Driburg der Sitz eines Niedergerichts. In der Gemarkung sind mehrere Kleinsiedlungen als Wüstungen seit dem 14. Jahrhundert untergegangen. Der frühere fürstbischöfliche „Oberwaldische Bezirk“ wurde nach der Zugehörigkeit zum Königreich „Westphalen“ von 1807 – 1813 unter König Jerôme Bonaparte im Königreich Preußen zunächst als die Kreise Brakel und Warburg und ab 1832 – nach Zusammenlegung der Kreise Brakel und Höxter – als Kreise Höxter und Warburg verwaltet. Bad Driburg war Teil und Verwaltungssitz des Amts Driburg. Diese preußische Verwaltungsstruktur blieb auch im Deutschen Reich erhalten. Nordrhein Westfalen übernahm nach dem zweiten Weltkrieg die Rechtsnachfolge.

Mit dem Glasmacher-Gewerbe begann die frühe Neuzeit der Stadt. Die Äbtissin von Neuenheerse berief im Jahr 1532 Glasmacher, die in Wanderglashütten den Holzreichtum nutzten, seit in der „Helle“ zwischen Siebenstern und Neuenheerse die erste Hütte gegründet wurde. Die feine Hütte auf der Emde wurde unter den zahlreichen Neugründungen die hochwertigste.

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Der Glass Cube ist ein überregional beachtetes, architektonisches Highlight

Der Glashandel
Der Glasabsatz und auch der Heilwasserversand erforderten den Fernhandel. Durch Handelsreisende wurde das „Driburger Glas“ im norddeutschen Raum vertrieben. Die Driburger Glashändler bedienten sich untereinander einer eigenen Handelssprache. Die reiche Driburger Mundart wurde dabei zu einer Geheimsprache verfremdet. Im Jahre 1900 führte das Mitgliederverzeichnis des Driburger Handelsvereins noch mehr als 100 Glashändler auf.
Heute ist das Mitte des 19. Jahrhunderts von Benedikt Koch gegründete Unternehmen Glaskoch B. Koch GmbH u. Co. KG unter dem Markennahmen LEONARDO weltbekannt. Der Glashersteller vertreibt seine Produkte in 83 Ländern. Mit dem 2007 erbauten „Glass Cube“ als LEONARDO Markengebäude setzt das Unternehmen in Bad Driburg viel beachtete architektonische Akzente. Das futuristische Gebäude ist Ausstellung, Seminargebäude und ein Ort für Aufzeichnung diverser Fernsehaufzeichnungen wie z. B. DSDS.

Parallel zum Fernhandel mit Glas wurde auf den eingefahrenen Handelswegen der Glashändler auch ein reger Viehhandel mit Ziegen betrieben, der im Jahr 1842 bis Polen belegt ist. Für das Ende der Ziegenzucht steht das Jahr 1963, als die Bockstation in Bad Driburg abgerissen wurde.

Das Heilbad

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Wichtiger Bestandteil des Bades: die Therme © Bad Driburger Touristik GmbH

Entscheidend für die Zukunft der Stadt war die Übernahme der staatlichen Quellen und Forsten durch Caspar Heinrich von Sierstorpff (1750-1842) im Jahre 1782. Seine Publikationen weisen auf den Beginn der nachhaltigen Forstwirtschaft in der entwaldeten Landschaft hin. Mit dem Städtchen (850 Einwohner) wurde das neue Bad durch eine Lindenallee verbunden. In der ersten Badesaison 1782 besuchten 101 Gäste das neue Badehaus. Im Landhausstil entstanden die Logierhäuser als Fachwerkbauten. 1815 kaufte von Siers­torpff vom neuen Staat Preußen die früheren landesherrlichen-paderbornischen Forsten und wurde mit dem Erwerb des Gutes Rothehaus (1821) sowie der Klosterdomäne Gehrden (1826) einer der größten Gutsbesitzer der Region. Der Erbzins an den Quellen wurde vom preußischen König 1828 erneuert. Der Erbzins erlosch 1850, sodass Quellen und Bad seitdem Privatbesitz sind. Die Stadt Driburg erhielt auf Antrag am 28.August 1919 den Namen „Bad Driburg“.

Als Lazarettstadt im zweiten Weltkrieg unzerstört, nahm nach der Freigabe durch die britische Besatzung das Bad mit der Gesundheitsvorsorge durch vier neue Kliniken verschiedener Träger, auch durch den Zuzug von Heimatvertriebenen den größten Aufschwung an Einwohnern und Gästen. Die Zahlen erreichten den Höhepunkt 1987 mit 57.736 Gästen, 962.564 Übernachtungen und unzähligen Tagesgästen. Das Thermalbad wurde als Stärkung des Heilbades im Kurbereich von der Stadt errichtet.

Der seit den 1960er Jahren zu verzeichnende Besucherrückgang nahm in den 1990er Jahren krisenhafte Ausmaße an. Einzig positiv entwickelte sich die Glashütte in Siebenstern durch Automatisierung und vermehrten Export. Nach der Jahrtausendwende erfolgte eine Neukonzeption des Kurbetriebs. Die privaten Kurbetreiber, die Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff, stellte nun die historischen Parkanlagen in das Zentrum des Kurangebots. 2005 / 2006 wurden die historischen Gebäude des Hotels und der Gästehäuser saniert und modernisiert und der Betrieb als „Gräflicher Park Grand Resort“ neu organisiert.

Wir verabredeten uns am 20.04.2017 mit Thomas Blümel, der uns an diesem Tag seine liebsten Plätze in Bad Driburg zeigte und starteten unsere kleine Exkursion bei strahlendem Frühlingswetter und frischen 8° C auf der Ruine der Iburg. Die ganzjährig frei begehbare Burganlage ist zusammen mit dem dortigen Aussichtsturm (Kaiser-Karls-Turm) und dem Ausflugslokal Sachsenklause ein beliebtes Ausflugsziel. Hier findet seit fünf Jahren auch alljährlich ein Mittelalterfest statt.

Touristisch hat die Stadt Bad Driburg eine Menge zu bieten. Sie kann mit dem besten Heilbad in NRW und über 20 Museen, Schlössern, Burgen und Parkanlagen glänzen.

Gräflicher Park
Die Anfänge des Parks liegen in der 1669 vom Fürstbischof Ferdinand von Fürstenberg angelegten, doppelreihigen Lindenallee. Diese wurde zu Anfang des 18.Jahrhunderts durch eine hierzu rechtwinklig verlaufende Allee ergänzt. Viele international renommierte Landschaftsarchitekten haben im Gräflichen Park ihre Spuren hiterlassen. Im Frühjahr 2012 wurden von renommierten Gartenkünstlern Zwiebelpflanzungen angelegt, so dass der Staudengarten nun schon im Frühling einem impressionistischen Gemälde gleicht.

Das Erscheinungsbild des Parks ist geprägt vom Klassizismus und Frühbiedermeier. Ein Merkmal des Gräflichen Parks sind die zweimal jährlich wechselnden Beetbepflanzungen mit jeweils ca. 30 000 Pflanzen, die sich in jedem Jahr ändern. Einen der vielen Höhepunkte bildet der „Hölderlin-Hain“ und der diesem zugewandte Teich mit der Diotima-Insel. Thomas Blümel geht hier in seiner knapp bemessenen Freizeit gerne mit seiner Familie spazieren.

Burg Dringenberg

Burg Dringenberg © Wikimedia: Linda Floren

Burg Dringenberg © Wikimedia: Linda Floren

Die trutzige Höhenburg aus dem Jahr 1318 Verdankt ihre Erbauung dem Paderborner Fürstbischof Bernhard V. zur Lippe. Es handelt sich um eine unregelmäßig viereckige Ringmaueranlage, die auch als Mantelburg bezeichnet wird, mit Wehrturm, Wehrmauer und großem Innenhof, sowie einem breiten Burggraben. Als markanter Blickfang empfängt den Besucher das zweigeschossige Torhaus aus dem Jahre 1488/89. In der Burg befinden sich unter anderem ein Brauhaus und mehrere Heimatstuben mit Wohnungseinrichtungen aus der Zeit der Jahrhundertwende. Weiterhin beherbergt die Burg ein naturkundliches Museum sowie wechselnde Kunstausstellungen.

Dreifaltigkeitskloster Bad Driburg
1924 entstand in Bad Driburg die erste Niederlassung der Genossenschaft der Dienerinnen des hl. Geistes von der ewigen Anbetung auf deutschem Boden (volkstümlich als „Rosa Schwestern” bezeichnet). Bis heute ist die Anbetung der zentrale Dienst der Klostergemeinschaft. Die Bauten dieses mächtigen Dreifaltigkeitsklosters plante der Paderborner Architekt Alois Dietrich. Die Innenausstattung der Anbetungskirche entwarf Berhard Lippsmeier. Das kunstvoll gespaltene Gitter, das der Goldschmied Josef Fuchs entwarf, trennt die Besucher vom Bereich der Schwestern.
Die Klosterkapelle ist täglich von 5.15 Uhr bis 20.00 Uhr geöffnet. Donnerstags findet um 15.30 Uhr eine Diaschau statt.

Glasmuseum Bad Driburg
Das Glasmuseum befindet sich im Heinz Koch-Haus. Heinz Koch, Ehrenbürger der Stadt, war ein großer Förderer dieses Museums. Das Museum befasst sich mit der Glasherstellung sowie mit der Geschichte Driburgs als Kur- und Badestadt. Das Glasmuseum veranschaulicht anhand von Schautafeln und Exponaten, wie Glas in den Bad Driburger Glashütten hergestellt, veredelt und vertrieben wurde. Es befasst sich zudem mit der Geschichte Driburgs als Kur- und Badestadt.

Mühlrad und Stadtmauer
Thomas Blümel ist seit 5 Jahren Küchenchef im Restaurant Caspar’s im Gräflichen Park und wohnt mit seiner Familie in der Innenstadt von Bad Driburg in unmittelbarer Nähe des Mühlrades. Den kurzen Weg zu seiner Arbeitsstelle legt er zu Fuß zurück und passiert dabei täglich das Mühlrad. Die Mühlenpforte ist ein Ort der Ruhe. An dieser Stelle am Kesselbach außerhalb der Stadtmauer am Unteren Tor, lag eine der sieben Mühlen der Stadt, die Piepsmühle oder „Heckersche Mühle“, benannt nach ihren früheren Besitzern. Der Mühlenbetrieb wurde 1937 eingestellt. In Folge der Stadtsanierung verschwanden die Mühle und das Wohnhaus. Das von der Stadt 1984 errichtete Mühlrad ist eingebunden in die Rekonstruktion eines Teilstücks der mittelalterlichen Stadtmauer. Von dieser Stelle blickt man im Frühjahr und Sommer über blühende Beete auf die Stadtmauer und die Innenstadt mit der Pfarrkirche St. Peter und Paul.

Am Ende unserer kleinen Städtereise setzten wir uns im Restaurant Caspar’s zusammen und ließen unseren Ausflug noch einmal Revue passieren. Wir konnten Ihnen an dieser Stelle nur einen kleinen Ausblick über die vielen touristischen Ausflugsziele geben. Machen Sie sich auf nach Bad Driburg und entdecken Sie noch viele weitere schöne Plätze in der Stadt und der näheren Umgebung

Weitere Informationen
www.bad-driburg.teutoburgerwald.de