Beslers historische Städtereise

Hattingen ist eine jener Städte im Ruhrgebiet, deren jüngere Geschichte maßgeblich von Kohle und Stahl geprägt worden ist. Bis es dazu kam, dass Hattingen zu einer bedeutenden Industriestadt im Ruhrgebiet wurde, sind seit der Gründung annähernd 1000 Jahre vergangen. Hattingen ist 990 erstmals als Reichshof Hartneggen urkundlich erwähnt worden. Seine Lage zwischen dem Bergischen Land und der Hellwegzone begünstigten den Handel mit  Metallprodukten im Süden und mit Textilwaren im Norden.

„Malerwinkel” mit Blick auf die
evangelische Kirche St. Georg
Fotos: Stadt Hattingen / U. Kestler

Im Jahre 1396 wurde mit dem Grafen Dietrich von der Mark ein Befestigungsvertrag abgeschlossen, der heute als Dokument der Stadtwerdung Hattingens gilt. Seit 1554 ist Hattingen als hanseatisch. Die Bevölkerung wuchs von Beginn des 18. Jahrhunderts von ca. 1 200 Bewohnern auf ca. 55 000 Einwohner heute. Dabei vergrößerte sich auch die Fläche von 5,30 km², auch aufgrund von Eingemeindungen, auf 71,4 km² im Jahre 2014.

Vom 18. bis zum 20. Jahrhundert nahm in Hattingen der Bergbau eine bedeutende Stellung ein. Im Laufe der Jahrhunderte förderten weit über 30 Zechen die begehrte Steinkohle, unter anderem auch für die Stahlhütten. Bereits 1787 wurde mit dem Rauendahler Schienenweg die weltweit erste Kohlentransportbahn in Betrieb genommen. Größter Arbeitgeber für mehr als 100 Jahre war jedoch die Henrichshütte mit zeitweise 10 000 Beschäftigten. Das Unternehmen trug mit der Gründung von Arbeitersiedlungen bedeutend zur Stadtentwicklung bei.

Von Henrich zu Stolbeg-Wernigerode 1854 gegründet, wurde „die Hütte“ zu einem der größten Eisenverhüttungs- und Stahlproduzenten in der Region. Grund für die Standortwahl, im damals von Landwirtschaft geprägten Hattingen, war der Fund von Eisenerz auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Welper. 1987 wurde als Folge des Niedergangs der Kohle- und Schwerindustrie im Ruhrgebiet der letzte Hochofen der Henrichshütte stillgelegt. Hattingen hat den Strukturwandel aber besser verkraftet als manche Nachbarstadt. So lag die Arbeitslosenquote im Juni 2016 nur bei ca. 3,5 %. Viele ehemalige Gebäude sind in der Zwischenzeit abgerissen, doch einige wurden erhalten und restauriert und sind heute Bestandteil eines Gewerbe- und Landschaftsparks. Damit sind wir auch schon in der Gegenwart angekommen.

LWL-Industriemuseum Henrichshütte

LWL-Industriemuseum Henrichshütte

Hattingen ist weit über die Region hinaus für seine malerische historische Innenstadt und die Ausflugsziele Burg Blankenstein, Wasserburg Kemnade, Ruine Isenburg und das wunderschöne Ruhrtal bekannt. Für uns allemal ein Grund uns das aus nächster Nähe anzuschauen.
An einem schönen Sommertag im Juli (26 °C) machten wir uns auf den Weg. Erstes Ziel war „natürlich“ die historische Innenstadt. Die Innenstadt kannte ich von Besuchen, die ca. 15 Jahre zurückliegen. Ich war gespannt. Gestartet sind wir am 1576 erbauten Alten Rathaus. Die Hattinger Altstadt kann mit dem Bestand von fast 150 gut erhaltenen mittelalterlichen Fachwerkhäusern aufwarten. Allein diese sind schon ein beliebtes Ausflugsziel.

In alten Häusern haben sehr viele Kneipen, Gaststätten und Restaurants mit einem äußerst abwechslungsreichen Angebot ein neues Domizil gefunden. Dank des schönen Sommerwetters waren die Restaurants mit Außengastronomie sehr gut gefüllt. Am Alten Rathaus, zwischen Restaurant Takis und dem Café Auflauf, spielte eine Live-Band Dixieland und Oldies. Weiter geht es in Richtung Kirchplatz. Hier befindet sich die evangelische Kirche St. Georg. Sie ist die älteste Kirche der Stadt und wurde um 1200 erbaut. Sie lädt zum Schauen, Sitzen, Beten und einem kleinen Rundgang ein. Ehrenamtliche Mitarbeiter erklären gerne die Kirchengeschichte und führen Sie durch die Kirche. Sehenswert sind auch die teilweise jahrhundertealten Grabsteine vor der Kirche. Geht man die Fußgängerzone in Richtung Norden, passiert man am ehemaligen Heggertor „Den Wächter“. Nach dem Wächter beginnt der „neuere Teil“ der Altstadt. Hier finden Sie zentral alle Geschäfte, die man für den täglichen Bedarf oder zum Genießen sucht – wie in gut sortierten Innenstädten üblich. Nach diesem Rundgang kehrten wir in die historische Innenstadt zurück und ließen in einem Café den bisherigen Tag noch einmal Revue passieren. Ein perfekter Nachmittag.

Burgruine Blankenstein

Burgruine Blankenstein

Dann brachen wir zur Burg Blankenstein auf. Die Burg ist eine Ruine einer hochmittelalterlichen Höhenburg im Stadtteil Blankenstein. Die Burg war gemeinsam mit Burg Altena, Burg Wetter und Burg Volmarstein eine der vier Hauptburgen der Grafen von der Mark. Nach allmählichem Verfall wurde die Anlage im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut. In der seit 1909 unter Denkmalschutz stehenden Ruine befindet sich heute ein Burgrestaurant. Vom Bergfried aus gesehen hat man einen fantastischen Ausblick auf die Altstadt von Blankenstein und das Ruhrtal. Um diesen genießen zu können, muss man allerdings viele schmale und steile Treppenstufen, teilweise durch dunkle Gänge, erklimmen. Der steile Anstieg lohnt sich auf alle Fälle.
Von der Burg Blankenstein ist die Wasserburg Kemnade nur 1,3 Kilometer entfernt. Also nichts wie hin. Haus Kemnade ist ein Wasserschloss, das sich ebenfalls im Hattinger Stadtteil Blankenstein befindet. Obwohl das Schloss auf Hattinger Gebiet liegt, ist Haus Kemnade heute Eigentum der Stadt Bochum. Die Schlossanlage beherbergt heute mehrere Museen, eine Schlosskapelle, in der auch Trauungen durchgeführt werden, und eine Gastronomie.

Wenn man schon einmal hier ist, bietet sich ein Abstecher zum Kemnader See an. Der See liegt zwischen Bochum, Hattingen und Witten. Er ist der jüngste von sechs Ruhrstauseen und wurde 1979 vom Ruhrverband fertiggestellt. Der See fasst 3 Millionen Kubikmeter Wasser (zum Vergleich: der Möhnesee mit 130 Millionen Kubikmetern). Die mittlere Wassertiefe beträgt 2,4 Meter. Den See umgeben 8,4 Kilometer Wander- und Radwege. Auf dem See verkehren die Fahrgastschiffe MS Kemnade und MS Schwalbe. Der Kemnader See ist Kernpunkt einer großräumigen Freizeit- und Erholungsanlage, inklusive Yachthafen für ca. 330 Jollen. Man kann hier den verschiedensten Freizeitaktivitäten wie Segeln, Surfen, Rudern, Skaten oder Angeln nachgehen. Außerdem  gibt es auch noch ein Bad mit Bade-, Sauna- und Freizeitanlage.

Wasserburg Kemnade

Wasserburg Kemnade

Will man alle hier angesprochenen Ziele an einem Tag besuchen, muss man sich schon gewaltig sputen. Die Ziele sind zusammengenommen so attraktiv, dass man sie bequem auf zwei Besuche aufteilen kann – dann bleibt auch etwas Zeit zum Erholen und Genießen.

Weitere Informationen
www.hattingen.de