Beslers historische Städtereise

Brilon im Hochsauerlandkreis ist eine mittelgroße Stadt mit etwa 23 300 Einwohnern und kann auf eine über 1000 Jahre alte Geschichte zurückblicken. Die historische Innenstadt punktet mit ihrer ganz besonderen Atmosphäre. Sehenswert sind vor allem Fachwerkensemble am Marktplatz, das alte Rathaus, die Probstei­kirche, das Derker Tor und die vielen Brunnen. Wer durch die Altstadt spaziert, wandelt durch die Jahrhunderte und begegnet stummen Zeitzeugen.

Touristischer Anziehungspunkt Rothaarsteig

Da sich fast alle Sehenswürdigkeiten innerhalb der alten Stadtmauern befinden, sind sie für Besucher auf kurzen Wegen bequem zu erreichen. 973 n. Chr. erstmals erwähnt, entwickelt sich Brilon zu einer der bedeutendsten Hansestädte Westfalens und zu einer der flächenmäßig größten Städte in Deutschland. Wir möchten die besondere Atmosphäre der Altstadt vor Ort erleben und machen uns auf die alte Hansestadt und Stadt des Waldes zu besuchen.

Die Briloner Hochfläche war schon sehr früh besiedelt. Der Bronzezeit sind mehrere Grabhügel in der Umgebung Brilons zuzuordnen. Die Funde vom Derkerstein weisen auf feste Bauten einer eisenzeitlichen Siedlung hin und damit auf die erste ständige Siedlung auf der Briloner Höhe. Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde im Briloner Raum bereits Blei, Eisen und Kalkspat abgebaut.

Der Name der Stadt, der schon in der ältesten Urkunde von 973 in der heutigen Schreibweise dokumentiert ist, erscheint in den darauf folgenden Jahrhunderten in stark unterschiedlichen Schreibweisen. Neben Brilon auch Brylon, Brilo, Brielon und weitere. Seine Lage, in einer mit Buschwerk bestandenen feuchten Wiese und der Endung »on« dürfet der hochdeutschen Ortsangabe »in« entsprechen, so dass man Brilon als »in den feuchten Wiesen« übersetzen könnte.

Die Probsteikirche St. Petrus und Andreas

Die Probsteikirche St. Petrus und Andreas

Kaiser Otto II. bestätigte dem Erzstift Magdeburg alle von seinem Vater verliehenen westfälischen Besitzungen, darunter die Villa Brilon. 1220 erwarb der Kölner Erzbischof Engelbert die Gemarkung Brilon von den Gebrüdern Hermann und Gernand von Brilon. In blutigen Auseinandersetzungen wurde um die Besitzrechte von Brilon gestritten, in deren Verlauf der Paderborner Bischof Simon I. gefangen genommen wurde und in der Folge auf seine Briloner Ansprüche verzichtete. Bei diesen Auseinandersetzungen ging es wohl in erster Linie um handfeste wirtschaftliche Interessen. Im Briloner Raum wurden Bodenschätze abgebaut und verhüttet. In einer Urkunde von 1255 wird der Handel mit Soest erwähnt. Brilon unterstand der Hansestadt Soest als Beistadt. In der Folge entwickelte sich Brilon zu einer blühenden Handelsmetropole im Sauerland mit etwa 3000 Einwohnern. 1350 zählte die Stadt 600 Häuser. 1444 wurde Brilon zur ersten der vier Hauptstädte Westfalens erhoben. Im Verlaufe des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt 1632 von Hessen eingenommen.

Stadt der Esel
Im 18. und 19. Jahrhundert wurden in Brilon ungewöhnlich viele Esel gehalten. Die Briloner wurden deshalb von den Einwohnern der Nachbarstädte verspottet. Die mangelhaften Wege in der Umgebung waren für Pferdetransporte nicht geeignet. Um 1837 zählte man 223 Tiere. Die Eselhaltung ging nach 1850 aufgrund verbesserter Wegeverhältnisse stark zurück.

Wirtschaftsstandort Brilon

Rathaus in Brilon

Rathaus in Brilon

Brilon ist die Stadt mit dem größten Waldbesitz in NRW, doch leben und arbeiten nur relativ wenig Bewohner vom Wald. Der Stadt ist in hervorragender Art und Weise der Spagat zwischen Tourismus, Gewerbe, Handwerk und Industrie gelungen. Als zentral gelegener Wirtschaftsstandort hat Brilon in den vergangenen Jahren ständig an Bedeutung gewonnen. Namhafte Firmen, die in Deutschland und Europa zu den Marktführern gehören, sind hier ansässig. Und – der Wirtschaftsstandort entwickelt sich stetig weiter. Die Firma Egger z. B. gehört zu den führenden Holzwerkstoffherstellern in Europa. Die Puris Bad GmbH produziert auf 10 000 m² hochwertige Badmöbel. Die Firma Hoppecke kennt wohl jeder, der mit einem KFZ unterwegs ist. Das Unternehmen gehört zu den Weltmarktführern bei der Herstellung von Batterien und Akkumulatoren. Dann ist da auch noch ABB, ein weltweit tätiger Energie- und Automatisierungstechnik-Konzern. Hinzu kommen viele familiengeführte mittelständische Unternehmen.

Tourismus und Gesundheit sind Wirtschaftsfaktoren, mit denen die Stadt punktet. Brilon ist seit dem Jahr 2000 als Kneippkurort anerkannt. Dies wird mit großem Engagement weiter ausgebaut. Besucher der Stadt lockt es vor allem in die historische Innenstadt und in die unvergleichlichen Erholungsräume der Briloner Wälder mit Höhenlagen von bis zu 800 Meter. Wald und Wasser prägen die Region rund um Brilon und seine 16 Dörfer. Und – nicht zuletzt beginnt in Brilon am Marktplatz der legendäre Rothaarsteig.

Das Derker Tor – Teil der alten Stadtbefestigung

Das Derker Tor – Teil der alten Stadtbefestigung

Man kann viel über Brilon schreiben, aber um die einmalige Atmosphäre zu spüren, muss man selber dort gewesen sein. Am 10. Februar (das Datum ist natürlich nicht gerade ideal für den Besuch eines Gasthauses, Biergartens, Cafes oder der Fußgängerzone, aber der Redaktionsschluss hat seine eigenen Gesetze) machten wir uns dann auf den Weg zum Marktplatz in Brilon.

Nach der Autobahn ging es noch ca. 40 Kilometer über Landstraßen, bis wir gegen 11.00 Uhr den Marktplatz in Brilon erreichten. Das Wetter an diesem 10. Februar machte mehr Appetit auf Glühwein, als auf einen ausgedehnten Stadtbummel. Schon als wir starteten, hatten wir Hochnebel und Temperaturen zwischen minus 1° C und minus 2° C. Schon lange nicht mehr erlebt: auf den Landstraßen war so gut wie kein Autoverkehr. Unterwegs gab es überall noch schneebedeckte Wiesen. Selbst in Brilon auf dem Markt waren noch Schneereste, nicht zuletzt auch auf dem Petrus-Brunnen – im Volksmund auch Kump genannt. Im Sommer ist dieser Brunnen sehr schön mit roten Geranien dekoriert. Sehr attraktiv ist hier auch das Fachwerk­ensemble mit dem Café am Markt und dem Traditionsrestaurant Jägerhof. Tradition hin oder her – die gastronomische Qualität ist nicht sehr empfehlenswert. Empfehlenswert ist dagegen die rund 5 km entfernte Almer Schlossmühle von Spitzenkoch Martin Steiner.

Gerhard Besler am Petrus-Brunnen vor dem alten Rathaus

Gerhard Besler am Petrus-Brunnen vor dem alten Rathaus

Gegenüber am Marktplatz beeindruckt das sehr gut erhaltene historische Rathaus von dem man auf den Turm der Probsteikiche schaut. Von hier machen wir uns nun auf den Weg zur Probsteikirche St. Petrus und Andreas. Diese spätromanische Hallenkirche gehört zum Erzbistum Paderborn. Durch die leicht erhöhte Lage ist die Kirche weithin sichtbar. Vom Marktplatz aus gesehen bilden Fachwerkhäuser, das historische Rathaus und die Probsteikirche das Wahrzeichen Brilons. Nun wollten wir uns noch das weithin bekannte Derker Tor ansehen. Dieses Tor ist das einzige noch erhaltene Tor der Briloner Stadtbefestigung. Es wurde 1700 erbaut. Nun wieder zurück zum Markt und im Jägerhof aufwärmen mit einem Kaffee und einer Waffel mit heißen Kirschen.

Gerne hätten wir Ihnen auch einige Innenfotos vom Stadtmuseum Haus Hövener gezeigt, aber der stellvertretende Vorstand verweigerte uns leider diesen Wunsch, sodass wir Ihnen an dieser Stelle nicht die Originalknochen des Dinosauriers oder das interaktive Stadtmodell zeigen und beschreiben können.

Besucher lockt es vor allem in die historische Innenstadt, aber auch ein Besuch beziehungsweise Ausflug in die unvergleichbaren Erholungsräume der Briloner Wälder und ein Besuch der 16 Dörfer sollten Sie sich im Frühjahr oder Sommer bei schönem Wetter nicht entgehen lassen.

Weitere Informationen
www.brilon.de