Beslers historische Städtereise

Gütersloh liegt südwestlich des Teutoburger Waldes und verfehlt mit seinen fast 100 000 Einwohnern den Status als Großstadt nur ganz knapp. Ob Großstadt oder Mittelstadt ist für die Menschen, die hier leben, wahrscheinlich nicht ganz so wichtig, denn viel wichtiger ist es, wie lebens- und liebenswert die Stadt ist. Gerade das wollen wir bei unserer Städtereise herausfinden. Weltweit bekannt ist Gütersloh in erster Linie als Sitz der international operierenden Unternehmen Bertelsmann und Miele. Jemand, der sich gut in Gütersloh auskennt, ist Bernhard Büdel, Inhaber und Küchenchef im Restaurant Medium. Er zeigt uns die liebenswerten und interessanten Seiten von Gütersloh.

2016_staedtereise_03Da es sich um eine Zeitreise handelt, kommt, wie gewöhnlich, etwas Geschichte vorab. Gütersloh wurde erstmals im Jahr 1184 in einer Urkunde des Bischofs von Osnabrück erwähnt. Stadtteile, die heute zum Stadtgebiet gehören, wurden zum Teil bereits wesentlich früher erwähnt, wie z. B. Isselhorst bereits im Jahr 1050 oder Nordhorn im Jahre 1088. Das heutige Stadtgebiet Gütersloh gehörte im 16. Jahrhundert zu fünf historischen Territorien: der Herrschaft Rheda, dem Fürstbistum Osnabrück, der Grafschaft Rietberg, Grafschaft Ravensburg und dem Fürstbistum Münster. Ab 1524 entstand zwischen der Herrschaft Rheda und dem Fürstbistum Münster ein offener Machtkampf um die Grenzen und Rechte der Herrschaft Rheda. Im Bielefelder Rezess von 1565 bzw. im Wiedenbrücker Vertrag vom 9. Juni 1565 wurden die Streitigkeiten beigelegt und die Grenzen neu festgelegt. Die Bauernschaften Blankenhagen, Pavenstädt, Nordhorn und Sundern fielen an die Herrschaft Rheda, die Bauernschaften Avenwedde, Kattenstroth und Spexard verblieben bei Fürstbistum Osnabrück.

Im Siebenjährigen Krieg bezog 1757 der französische Marschall d`Estrées Quartier in der Nähe von Gütersloh. Am 1. Juli 1758 besiegten fünf preußische Husarenschwadronen zwei französische Husarenregimenter in einem Gefecht bei Gütersloh. Die Stadtrechte wurden Gütersloh am 14. November 1825 durch König Friedrich Wilhelm III. verliehen und am 12. Januar 1844 erhielt der Ort vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. ein Stadtwappen.

Die Neuzeit beginnt für Gütersloh im Jahre 1847 mit dem Anschluss an die Stammstrecke der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft und der Eröffnung des Bahnhofs. Die beginnende Industrialisierung und die verkehrsgünstige Lage direkt an der Bahnstrecke führten zur Ansiedlung bedeutenden Unternehmen und zu einem rasanten Wachstum der Stadt. Im Jahre 1835 wird der heute international tätige Medienkonzern Bertelsmann in Gütersloh gegründet. Das Unternehmen beschäftigt heute weltweit 100 000 Mitarbeiter.

Im Jahre 1907 folgt der Hersteller für Haushaltsgeräte Miele. Er verlegt seinen Sitz von Herzebrock-Clarholz nach Gütersloh. Beide Unternehmen haben bis heute ihre Corporate Center (Hauptverwaltungen) in Gütersloh. Doch der Standort Wirtschaftsstandort Gütersloh bietet mehr als seine beiden Vorzeigeunternehmen. Mehr als 5 000 Unternehmen sind hier ansässig und die meisten geben diesem Standort eine gute Note.

2016_staedtereise_04Gütersloh entdecken
Wir wollten Gütersloh etwas näher kennenlernen und waren Ende September mit dem Gütersloher Gastronom und zugleich sterneerfahrenen Spitzenkoch Bernhard Büdel in seinem Restaurant medium verabredet. Am Tage ist das medium Wirkungsstätte Gütersloher Medienmacher und am Abend eine Oase des Genusses. Bernhard Büdel ist seit 1982 in Gütersloh tätig und ist im GüterslohTV mit einer eigenen Kochsendung vertreten. An diesem schönen Septembertag ging es aber ausnahmsweise nicht ums Kochen, sondern er betätigte sich für uns als Stadtführer.

Wir begannen an der Carl-Bertelsmann-Straße 270. Hier befindet sich das Corporate Center des weltweit tätigen Konzerns. Vor der Zentrale des Medienhauses liegen auf einer großen Grasfläche liegen Grasfläche locker einige große Kiesel (Feldsteine). Besonders aber fällt die große bronzefarbene Skulptur ins Auge. In der Hauptverwaltung arbeiten 700 Mitarbeiter.

Von hier aus geht es weiter in die Innenstadt. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Verwaltung von Bertelsmann befindet sich der Botanische Garten, der 2012 seinen 100. Geburtstag feierte. Über 170 000 Menschen besuchen alljährlich das grüne Wohnzimmer der Stadt. Der „Botanische“, wie die Gütersloher ihn nennen, ist von Gartenarchitekt Karl Rogge als Schaugarten angelegt worden. Mehr als 100 verschiedene Heilkräuter werden hier gezeigt, aber auch der Lavendelgarten von Liz Mohn, der Bertelsmann-Chefin. Im mediterranen Garten befindet sich hinter einer filigranen Glasfassade das Palmenhauscafé. Übrigens: Eintritt wird im Botanischen Garten nicht verlangt!

2016_staedtereise_05Wer privat oder beruflich nach Gütersloh kommt, muss natürlich auch die historische Innenstadt besuchen. Rund um den alten Kirchplatz befindet sich ein großes Ensemble bestens erhaltener Fachwerkhäuser. Darunter Häuser mit dem Namen Ackerbürger oder Up de Deele. Inmitten des Kirchplatzes umringt von Fachwerkhäusern hat die Apostelkirche ihren Platz. Die Kirche markiert den Mittelpunkt des einstigen Kirchdorfes und wurde um 1201 erbaut. Wir befinden uns nun mitten in der historischen Altstadt. Von hier aus geht es rund um die Fußgängerzone. Auf unserem Rundgang kommen wir zum Dreiecksplatz. Hier veranstaltet die „Kulturgemeinschaft Dreiecksplatz“ alljährlich im Sommer die „Woche der der kleinen Künste“. Mit grandiosen Musikern wird der Platz dann zu einem großen Wohnzimmer – nicht nur für Gütersloher.

Hier am Dreiecksplatz befindet sich auch das „Café Ankoné“ mit der Weinbar Rebenstolz. Hier kehren Bernhard Büdel und seine Frau des Abends gerne ein, nachdem im medium der letzte Gast gegangen ist.

2016_staedtereise_06Auf dem Weg zur Stadthalle und Theater kommen wir am 1992 errichteten Reinhard-Mohn-Brunnen (Sie wissen schon – Bertelsmann) vorbei und steuern auf die 1979 erbaute und 2013 komplett renovierte Stadthalle zu. Sie ist der zentrale Ort für Messen, Kultur- und Eventveranstaltungen. Nach einigen Schritten kommt dann das moderne Stadttheater ins Blickfeld. Das Theater ist ein architektonisches Highlight. Zusammen mit der angrenzenden Stadthalle ist eine starke Marke für Kunst und Kultur. Architektonisch das komplette Gegenstück zu dem modernen Theater ist der historische Wasserturm von 1888 gleich nebenan. Heute ist der 42 m hohe Turm stillgelegt. In ihm befinden sich ein Jugendcafé und ein Probenraum. Seit 1984 ist der Turm als Industriedenkmal eingetragen. Hier endet nun unser kleiner Stadtrundgang mit Bernhard Büdel. Wir begeben uns abschließend zu seinem Lieblingscafé Ankoné und lassen hier den Tag noch einmal Revue passieren: Gütersloh hat was!

Weitere Informationen
www.guetersloh.de