Das Konzerthaus Dortmund

Nashörner sind im Allgemeinen recht bodenständige Tiere, doch zeichnen sie sich durch ein sehr feines Gehör aus. Da das Bodenständige mit dem Revier verbunden wird, empfahl sich der Dickhäuter zum Wappentier des Konzerthauses Dortmund. Um zu Höhenflügen anzuregen, ist
es geflügelt und wird – wissenschaftlich gesehen – zum „rhinoceros alatus“.

Die Fassade des Konzerthauses

Die Fassade des Konzerthauses
© Daniel Sumetsgutner

In der Zwischenzeit ist das geflügelte Nashorn in seinen verschiedenen Ausprägungen im Dortmunder Stadtbild als Maskottchen nicht mehr wegzudenken – ein Zeichen, wie sehr die Dortmunder „ihr“ Konzerthaus akzeptiert und vereinnahmt haben. Übrigens wird das Konzerthaus auch gerne „Philharmonie für Westfalen“ genannt.

Mitte der 1990er Jahre sollte das heruntergekommene Dortmunder Brückstraßen-Viertel durch verschiedene Maßnahmen wieder aufgewertet werden. 1997 kam man zu dem Schluss, dass durch Abriss eines ehemaligen Kaufhauses und des Universum-Kinos Platz für ein Konzerthaus mit entsprechender Zuschauerkapazität geschaffen werden konnte. 1999 wurde mit dem Abriss begonnen und anschließend die Errichtung des Konzerthauses in Angriff genommen. Im September 2002 konnte es feierlich eröffnet werden. Die Baukosten von 95 Mio DM (ca. 48 Mio Euro) waren vergleichsweise niedrig, da von der Stadt Wert darauf gelegt wurde, dass der Bau nicht zu Lasten des sozialen Lebens ging.

Der Saal des Konzerthauses verfügt über insgesamt 1 550 Plätze, die sich über drei Ränge erstrecken. Hinter dem Podium für die Musiker befindet sich die bewusst modern gestaltete Orgel, die alleine 20 Tonnen wiegt und aus 3 565 Pfeifen, davon 306 aus Holz und 3 259 aus Zinn, besteht. Dem Vorbild des Wiener Musikvereins folgend, ist das Konzerthaus Dortmund ein rechteckiger Saal nach dem „Schuhkarton“-Prinzip. Die Akustik in dem Haus gilt als ausgezeichnet und die Tongestaltung ist nach den modernsten Methoden ausgerichtet worden. Selbst die Form der Stühle ist in das Klangkonzept eingebettet.

Veranstaltungen
Der vollbesetzte Konzertsaal

Der vollbesetzte Konzertsaal
© Mark Wohlrab

Das Konzerthaus bietet ca. 100 Eigenveranstaltungen pro Spielzeit, wobei diese jeweils im September beginnt. Bei der Auswahl wird auf Vielfalt Wert gelegt: Die Bandbreite reicht von Orchesterkonzerten, Klavierabenden und Kammermusik über Weltmusik bis Cabaret und Chanson. Um auch jüngere Besucher heranzuführen gibt es z. B. ein Pop-Abo sowie Einführungsvorträge und -veranstaltungen aller Art, bis hin zu speziellen Programmen für Kinder – den Rhino-Kids.

Bewusst wurde, um Nähe zu den Künstlern zu gewährleisten und die Besucher auf die Musik zu konzentrieren, auf klassische Elemente wie Orchestergraben und Vorhang verzichtet. Dieses Konzept wird auch in der Konzertreihe „Junge Wilde“ fortgesetzt. Die „Jungen Wilden“ sind junge aufstrebende Musiker am Anfang einer vielversprechenden Solistenkarriere, die sich in Dortmund über drei Spielzeiten in all ihrer Vielseitigkeit präsentieren können – als Solisten, als Kammermusiker in verschiedenen Konstellationen und als Solisten mit Orchester. Beim „meet the artist“ nach deren Konzerten kommen Musiker und Publikum im Backstagebereich bei Bier (oder anderen Getränken der Wahl) in ungezwungener Atmosphäre zusammen.

Exklusivkünstler Andris Nelson© Marco Borggreve

Exklusivkünstler Andris Nelson
© Marco Borggreve

Natürlich gibt es auch ein „typisches“ Konzerthausprogramm mit Auftritten bekannter Künstler aus aller Welt. Hier hat sich das Konzerthaus Dortmund aufgrund der hervorragenden Akustik europaweit etabliert. Sicher trägt auch das begei­sterungsfähige Publikum seinen Teil dazu bei – der Dortmunder interessiert sich doch für mehr Dinge als „nur” Fußball.

Eine weitere Besonderheit sind die „Exklusivkünstler“, die während einer dreijährigen Wirkungszeit der Spielstätte neue Impulse geben sollen. Seit 2016 wirkt hier der lettische Dirigent Andris Nelson.

Wie sieht es aus? Vielleicht wäre statt Pantoffelkino mal wieder etwas „echte“ Musik eine Idee. Mit dem Konzerthaus Dortmund hat Westfalen hier auf jeden Fall etwas zu bieten.

Weitere Informationen
www.konzerthaus-dortmund.de