Das Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen

Die Henrichshütte in Hattingen ist ein Wahrzeichen aus der Epoche der Kohle und Stahlbarone im Revier und war viele Jahrzehnte lang ein Vorzeigeunternehmen für die Leistungsfähigkeit deutscher Stahlwerke. 150 Jahre lang sprühten hier die Funken, wenn die Hochöfen „abgestochen“ und das flüssige Eisen in Kokillen gegossen wurde oder in einem der verschiedenen angeschlossenen Betriebe zu Autoblechen, Schiffsschrauben, Reaktordruckbehältern oder Raketenbauteilen verarbeitet wurde.

2014_01_henrichshuette_04Auf dem riesigen Areal der Henrichshütte waren z. B. die größte Walzstraße Europas und die größte Schmiede Europas angesiedelt. Die Hütte war vor allem für ihren hochwertigen Edelstahl bekannt. In ihren besten Zeiten arbeiteten auf dem riesigen Industrieareal bis zu 10 000 Menschen. Sie produzierten ihren eigenen Koks für die Hochöfen, verarbeiteten das Roheisen zu Stahl, gossen, schmiedeten und walzten den Stahl. Produziert wurde in bis zu drei Hochöfen.
Im Jahre 1987 begann die stufenweise Stilllegung. Am 18. Dezember 1987 erfolgte der letzte Hochofenabstich. Hochofen II wurde nach China verkauft und 1990 demontiert. 1993 wurde das Stahlwerk geschlossen und die letzten verbliebenen 662 Arbeitsplätze gingen verloren. Der Schmiedebetrieb der Henrichshütte nutzte nach der Stilllegung der Hütte noch 10 Jahre Teile des alten Stahlwerks und die mit 8 500 Tonnen größte Schmiede Europas. 2004 wurde auch der letzte aktive Produktionsbereich der Hütte geschlossen. Als Konsequenz erfolgte ein Teilabriss von Produktionsstätten. Bereits 1994 wurde der Gasometer gesprengt. Das 60 Meter hohe Gebäude des Blasstahlwerkes wurde am 23.01.2005 um 16.06 Uhr vor den Augen von 2 500 Zuschauern mit 40 kg Sprengstoff gesprengt.

1989 nutzte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die einmalige Chance die wesentlichen Bauten zu übernehmen und in ein Industriemuseum umzuwandeln. Heute ist die Henrichshütte ein beeindruckendes Museum der Industriegeschichte von Eisen und Stahl.

Die Geschichte

Erz, Kohle und die Ruhr bewogen 1854 einen Adeligen aus dem Harz zur Firmengründung im damals aufstrebenden Ruhrgebiet. Die einstige Hütte von Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerrode wuchs über Jahrzehnte zu einem gigantischen Werk mit verschiedenen Produktions- und Verarbeitungsbetrieben. Der Graf besaß zu diesem Zeitpunkt bereits mehrere Hüttenwerke im Harz, die aber wegen zu Ende gehender Rohstoffe nicht mehr rentabel waren. Der aus Steinkohle gewonnene Koks war der Brennstoff für die Hochöfen der neuen Generation und diese fand man im Ruhrgebiet. Der Hüttenmeister Carl Roth war ab 1852 im Auftrag des Grafen auf der Suche nach einem geeigneten Standort für ein neu zu gründendes Hüttenwerk. Zwischen den Gemeinden Welper und Winz (heute Stadtteile von Hattingen) wurde das Rittergut „Haus Bruch“ erworben, dessen Ländereien groß genug für die neue projektierte Anlage waren. Zur Sicherung der Rohstoffversorgung der neuen Hütte wurden Eisensteinfelder in der Nähe von Witten und Steele sowie Anteile an mehreren Zechen erworben. Am 20. März 1854 wurde der Grundstein für die Hochofenfundamente gelegt. Die Hütte erhielt im Gedenken an den im Februar des Jahres verstorbenen Grafen Henrich den Namen „Henrichshütte“.
1855 bereits wurde der erste Hochofen angeblasen und 1856 ein zweiter. Der erste Hochofen hatte eine Tagesleistung von 25 Tonnen und war damit der leistungsstärkste im gesamten damaligen Ruhrgebiet. Da die ursprünglich geplanten Investitionen bereits deutlich überschritten waren und die Rentabilität zu wünschen übrig ließ, erfolgte der Verkauf an ein Berliner Bankenkonsortium. Es folgten große Investitionen und der Bau weiterer, leistungsstärkerer Hochöfen. Es kam in den folgenden Jahrzehnten zu mehreren Besitzerwechseln, aber auch zu großen Investitionen die von teils gigantischen Leistungssteigerungen der Hochofenkapazitäten begleitet wurden. Letzter Besitzer der Henrichshütte war nach Rheinstahl in den 1960er Jahren, die Thyssen-Gruppe. 1963 betrug die Tagesleistung eines Hochofens 2 400 Tonnen pro Tag. Wir erinnern uns, im Jahre 1855 waren es gerade einmal 25 Tonnen.

Am 18. Dezember 1987 wurde der letzte Hochofen der Henrichshütte ausgeblasen. Nach mehr als 130 Jahren fand damit in Hattingen keine Roheisenerzeugung mehr statt.

Die Henrichshütte – das Museum

2014_01_henrichshuette_07Heute ist das 70 000 m² große Areal der Henrichshütte, neben einigen neuen Gewerbeansiedlungen, ein Industriemuseum und Teil der Route der Industriekultur. Das ehemalige Bessemer Stahlwerk wird als Veranstaltungszentrum genutzt. Über allem aber thront noch immer der legendäre Hochofen 3, der des Nachts lichttechnisch in Szene gesetzt wird. Freitags ist das Museum bis 21.30 Uhr geöffnet, um Hobbyfotografen die Möglichkeit für spektakuläre Fotos geben. In der Schaugießerei fließt heute wieder Metall und vermittelt so einen realistischen Eindruck von der heißen und harten Arbeit der Hochofenarbeiter und Stahlgießer. Im Übrigen finden Führungen durch das gesamte Museumsareal, Konzerte, Kunst-Ausstellungen, Fotowettbewerbe, Theateraufführungen und ein Programm speziell für Kinder statt.

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Mit dem Restaurant Henrichs ist die Henrichshütte auch kulinarisch gut aufgestellt. Das Restaurant mit Bar und Lounge ist außer Montag täglich zwischen 12.00 Uhr und 24.00 Uhr geöffnet und bietet unter anderen mediterranen Köstlichkeiten Fisch, Wild und Gänsebrust.

Weitere Informationen:
www.lwl.org