Der Westfalenring in Lüdinghausen

Mancher wandert am Vatertag in die freie Natur, um die frische Luft und das eine oder andere Bier zu genießen. Für viele Rennsportfreunde ist jedoch Christi Himmelfahrt für das Grasbahnrennen im Wesfalenring in Lüdinghausen reserviert. Mittlerweile zum 77. mal lud der AMSC Lüdinghausen zum traditionsreichen Termin ins ländliche Münsterland ein.

Auch uns zog es am 5. Mai in den Westfalenring. Statt Motoröl war auf den Rängen der Griff zur Sonnencreme sicher wichtiger, denn das Wetter war mit über 20°C und wenig Wolken hervorragend. Dementsprechend haben sich auch rund 6 000 Besucher an der Rennstrecke eingefunden.

Das 1000 Meter lange Grasbahnoval mit seinen extrem langen Geraden und spitzen Kurven macht den Westfalenring einzigartig bei Fahrern und Fans. Tausende von Motorsportfreunden sind jedes Jahr hautnah dabei und genießen das besondere Flair des Renntages. Hier gibt es kein „Formel 1 Schicki-Micki“ – Bier statt Sekt und Bratwurst statt Lachsschnittchen sind angesagt. Die Szene rund um die Grasbahnrennen ist sicher bodenständiger eingestellt. Man muss schon eine gewisse Benzin-Verrücktheit aufweisen, um sich z.B. in die Kurven zu stellen, wo die von den Fahrzeugen aufgewirbelten Staubwolken am stärksten waren.

Eine staubige Angelegenheit

Eine staubige Angelegenheit

Zur Atmosphäre gehörte auch sicher die musikalische Beschallung, die sichtlich rockiger als bei anderen Großveranstaltungen war. Auf den Rängen waren auch die einen oder anderen Bollerwagen und eine größere Menge Grills zu finden, was einer Festivalatmosphäre gleichkam. Für die vielen Camper, die von weither zum Rennen kamen, war der Vorplatz direkt am Stadion-Haupteingang reserviert.

Grasbahnrennen gehören zum Bahnsport. Die Motorräder ähneln denen des Speedway, sind aber mit einem Zweiganggetriebe, Hinterradfederung und ohne Bremsen ausgestattet. Die Strecke besteht aus einer relativ stabilen Grasnarbe und ist normalerweise länger als eine Sandbahnstrecke. In der Regel bestehen Grasbahnen also aus zwei langen Geraden und zwei Kurven, einem einfachen Oval. Rennen werden üblicherweise über vier Runden gefahren und man startet aus dem Stand. Es gibt drei verschiedene Individualklassen ähnlich wie bei der Motorradweltmeisterschaft: 250 cm³, 350 cm³ und 500 cm³. Weiterhin fahren auch noch Seitenwagengespanne in diesen Rennen.

In Lüdinghausen ist der Rennsport seit den 50er Jahren zuhause. im Juli 1951 trafen sich 34 motorsportbegeisterte Männer aus Lüdinghausen und gründeten den AMSC (Auto- u. Motorsportclub Lüdinghausen). Noch im gleichen Jahr trat der Verein dem ADAC bei. Das erste Rennen wurde im Juni 1951 gestartet, schon damals mit rund 8 000 Zuschauern und 80 Fahrern. Traditionell findet das Rennen seit 1956 am Himmelfahrtstag statt.

Nachwuchstraining

Nachwuchstraining

Der Westfalenring selbst ist eine Stadionanlage mit einer 1000 Meter Grasbahn, wobei die Zuschauer durch eine feste Planke mit Sicherheitsbereich geschützt sind. Er ist ringsum auf asphaltierten Wegen begehbar. Dadurch waren die zahlreich vertretenen Versorgungs- und Souvenirstände rund um die Rennstrecke bequem erreichbar. Für die jüngsten Gäste wurden kostenlose Attraktionen wie Kinderkarussell oder Hüpfburg neben dem Renngeschehen bereit gestellt.

Zum sportlichen Geschehen: Für die Rennaction konnten die Verantwortlichen vom AMSC ein topbesetztes Fahrerfeld von ausgewiesenen Grasbahnspezialisten verpflichten. Die Motoren dröhnten bereits am Mittwoch vor dem großen Rennen, denn um 18.00 Uhr startete das 8. Zwei-Stunden-Mofarennen von Lüdinghausen mit anschließender Siegerehrung und After-
Race-Party im Festzelt. Der eigentliche Renntag begann am Donnerstag um 9.30 Uhr mit den Trainingsläufen. Um 13.30 Uhr wurde der erste von 24 Rennläufen gestartet, bevor gegen 17.00 Uhr die Sieger und Platzierten geehrt wurden. Zwischendurch wurde versucht, den seit 16 Jahren bestehenden Bahnrekord von 129,68 km/h zu brechen, was aber auch dieses Jahr nicht gelang. Für Abwechslung sorgten u. a. britische Seitenwagen der 1000 ccm-Klasse.

Wer also Interesse an Motorsport hat und gerne nah am Geschehen ist, für den ist der Westfalenring uneingeschränkt zu empfehlen.

Weitere Informationen:
www.amsc-luedinghausen.de