Die Kunst ruft Kraft hervor, die in uns selber steckt

Der 1940 in Wernigerode im Harz geborene Otmar Alt gehört seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlern in Deutschland. Seine Kreativität, Ausdruckskraft und Vielseitigkeit suchen ihresgleichen. Er gehört zu den Vertretern der »Neuen Figuration« Deutschland, die die Figur wieder in das Zentrum des Bildes rückten. Ein Leben als Künstler war ihm als Kind und Jugendlicher keineswegs vorbestimmt. Ursprünglich sollte er in die Fußstapfen seines Vaters treten und Lehrer werden. Heute ist er nicht nur Maler, sondern auch Grafiker, Bildhauer, Designer, kreiert Bühnenbilder, illustriert Bücher, gestaltet Brunnen auf zahlreichen Marktplätzen unseres Landes und gestaltet Dinge für den täglichen Gebrauch. Wir hatten die Gelegenheit Otmar Alt in seinem Atelier zu besuchen und konnten einen „kleinen“ Einblick in sein Wirken und Arbeiten gewinnen.


Mitte der 1950er Jahre erinnert sich Otmar Alt daran, Maler werden zu wollen. Er wählt deshalb den Beruf des Dekorateurs und Plakatmalers. Seine Lehrstelle befindet sich im legendären Karstadt-Kaufhaus in Berlin am Hermannsplatz. Noch während der Lehrzeit ergänzt er seine musikalische Ausbildung, gründet mit Freunden die Jazzband „Selfworkers“ und tingelt mit der Band durch Berliner Jazzkeller und Kneipen. Otmar Alt studierte von 1960 bis 1966 an der Hochschule für bildende Künste in Berlin und war Meisterschüler von Prof. Hermann Bachmann.

Nach seinem Studium steht der „Künstler Alt“ in den Startlöchern. Er bezieht ein Atelier in der Görresstraße. Nachdem er hier die Vorarbeiten für einen ersten öffentlichen Auftritt beendet hat, betritt er die künstlerische Bühne wie mit einem Paukenschlag. Das Leben wird für den Künstler von Jahr zu Jahr bunter. Gleichzeitig arbeitet er an seiner ersten Einzelausstellung. In Zusammenarbeit mit dem Galerist Katz feiert der Künstler in Berlin seine ersten Erfolge. Nach einer außergewöhnlichen Vernissage in der Galerie Katz werden ihnen die Zeichnungen und Gemälde förmlich aus der Hand gerissen. Kunstkritiker und Fachpresse berichten positiv, was erste Sammler auf den Plan ruft. Der Rubel rollt.

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Während dieser Zeit lernt er auch seine erste Frau Inge Papenfuß, genannt Pinguin, kennen. Otmar Alt ist praktisch über Nacht zum angesagten Künstler avanciert. Sie genießen das Leben zu Zweit. Im Jahr 1970 wird Sohn Fabian geboren. Alt schließt erste Vereinbarungen mit bekannten Galerien wie Weitzenhofer in New York und Galerie Thomas in München. Es läuft für Otmar Alt besser als er es sich wünschen kann. Er hat den Nerv der Zeit getroffen. Eine Traumkarriere eröffnet sich. Sein Erfolg in Berlin entwickelt sich zu einer PR-Maschine. Es folgen viele erfolgreiche Ausstellungen, doch dann treffen ihn Schicksalsschläge. Im Alter von zwei Jahren stirbt der Sohn an den Folgen einer postoperativen Infektion und man beschließt aus Berlin wegzugehen, wobei es seine Frau nach Italien zieht. Hier kommt es zum tragischen Unfalltod der Ehefrau. Während seiner Berliner Zeit lernte er den Galeristen Kley aus Hamm kennen. Dieser holte ihn jetzt (ca. 1976) nach Hamm. Der Galerist lädt ihn auf das bäuerliche Anwesen nach Hamm-Norddinker ein, das später sein Zuhause und bis heute Sitz der Otmar-Alt-Stiftung und sein Lebensmittelpunkt ist. „Mit einer Scheune haben wir angefangen“, sagt der Künstler. „Es hat Jahre gedauert, bis wir peu á peu alle Gebäudeteile übernehmen konnten, die heute zu diesem Ensemble gehören“. Otmar Alt beginnt nun plastischer zu arbeiten. Es entstehen Plastiken, die man z.B. auf der Bundesgartenschau in Bonn bewundern kann.

Im Jahre 1978 beginnt eine 30 Jahre andauernde Zusammenarbeit mit der Firma Rosenthal. In diesem Jahr lernt er auch „Gundi“, Gunhild Weisel kennen, mit der er von nun an viel Zeit verbringt. Die erfahrene Hausfrau (zweimal verheiratet) übernimmt den Haushalt des Künstlers. „Sie konnte schon damals gut kochen und zauberte Gerichte auf den Tisch, für die es in Hamm kaum Zutaten gab“, lobt er Gundis Kochkünste. Gundi erweist sich als grandiose Gastgeberin. Nach vielen „Hochs und Tiefs“ und persönlichen Schicksalsschlägen begann sich auch am Stil des Künstlers einiges zu verändern.„Ich bin von Hause aus Handwerker. Die Menschen wollen wieder mehr ursprüngliche Bilder sehen. Mein Interesse war es immer mit Menschen umzugehen und dabei bereit zu sein etwas abzugeben“.Heute lässt Otmar Alt die Menschen nicht mehr so nah an sich heran. „Ich habe keine Lust mehr zu labern oder meine schlechte Laune zu kaschieren. Das kann dann auch die Stimmung in meinen Bildern ausmachen“.

Die Otmar Alt Stiftung

Die gemeinnützige Stiftung wurde 1991 von Otmar Alt und Professor Dr. Karl-Heinz Heuer in Frankfurt gegründet. Rund um die sorgfältig restaurierte Hofstelle befindet sich ein 10 000 m² großer beeindruckender Skulpturenpark. Den Besucher erwarten rund 50 Skulpturen, die nicht allein vom Künstler selbst stammen. Die Stiftung entwickelt sich von Anfang an zu einer der bedeutendsten Kulturstätten in der Stadt Hamm. Otmar Alt: „Ich wollte eine lebendige Stiftung haben, denn die Leute müssen wieder lernen mit Kunst umzugehen“. Regelmäßig werden in der Galerie sehenswerte Ausstellungen präsentiert. Im Veranstaltungsraum der Stiftung finden hochkarätige Kulturveranstaltungen, Konzerte und Lesungen statt.

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Junge Künstler der bildenden und darstellenden Kunst, der Musik und der Literatur zu fördern, gehört zum Kunstverständnis von Otmar Alt. Ziel der Stiftung ist es, junge, talentierte Künstler durch ein Stipendiat zu fördern, sowie der Erhalt des künstlerischen Lebenswerkes von Otmar Alt. Die jungen Künstler leben und arbeiten dabei ohne finanzielle Sorgen für ein halbes Jahr auf dem Stiftungsgelände. Das soll auch zur Förderung ihrer Kreativität beitragen. Zum Ende des Stipendiums gewährt ihnen die Stiftung eine eigene Ausstellung. Ein eigener Katalog oder eine andere Form der Darstellung bilden den künstlerischen Höhepunkt. Um ein Stipendium können sich Künstler aus verschiedenen Gattungen bewerben.

Neben der bildenden Kunst sind auch Dichter, Musiker oder Theaterleute willkommen.

Weitere Informationen:
www.otmar-alt.de