Beslers historische Städtereise

Den Fluss Ems und die Stadt Rheine verbindet eine sehr lange gemeinsame Geschichte. Die Ems gilt mit einer Länge von 371 Kilometer als kleinster Strom Deutschlands und ist ab Papenburg auf 59 Kilometer Seeschifffahrtstraße. Schon die Römer haben diesen Fluss bei ihren Eroberungszügen für den Transport von Waren genutzt. Der Fluss durchfließt die Stadt von Süden nach Norden in Richtung Nordsee.


Als Transportweg für die Berufsschifffahrt spielt die Ems hier in Rheine zwar keine Rolle mehr, aber da der Fluss direkt durch die Innenstadt fließt, hat Rheine den Fluss als Reiseziel für Touristen entdeckt. Der Verkehrsverein Rheine hat ein Konzept für eine lebendige Innenstadt konzipiert und realisiert. Stadtfeste und EmsFestival sollen den Slogan „Leben an der Ems“ lebendig werden lassen. Heute ist Rheine vor allem im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel für Wochenendtouristen und Wassersportler.

Als Keimzelle der heutigen Stadt Rheine gilt der fränkische Gutshof „Villa Reni“, (später auch Villa Rene). In der Schenkungsurkunde Ludwig des Frommen von 838 werden neben der Villa Reni noch weitere Schenkungen, wie z. B. Schöppingen erwähnt. Die Villa Reni erfährt in der Urkunde eine bevorzugte Erwähnung, worauf auf ihre herausragende Bedeutung geschlossen werden kann. Es bestand bereits eine kleine Siedlung. In den Urkunden von 1156 wird Rheine erstmals als pagus Rene bezeichnet. Der Begriff pagus bezeichnet einen zusammengehörigen Bezirk mit festen dörflichen Strukturen. Aus dem Gutshof (villa) ist ein Dorf geworden.

Im 13. und 14. Jahrhundert geriet Rheine immer stärker in den Fokus bischöflich-münsterscher Territorialpolitik. Aus machtpolitischen Gründen war es für die Bischöfe von Münster unabdingbar, den Ort Rene für sich in Besitz zu nehmen und zu befestigen. Möglicherweise gab es bereits um 1314 erste Stadtbefestigungen. Im Jahre 1323 hatte Bischof Ludwig erstmals den Versuch unternommen, Rheine zu befestigen. Dieser Versuch scheiterte.

Ein neuerlicher Versuch, Rheine seinem Machtbereich einzuverleiben, unternimmt Bischof Ludwig nur vier Jahre später. Am 15. August 1327 verleiht er Rheine das Stadtrecht und verzichtet gleichzeitig auf die Einnahmen des Gerichtes, damit die Stadt mit diesen Mitteln weiter befestigt werden kann. Diese Urkunde verstieß gegen geltendes Recht, da Bischof Ludwig II. über etwas verfügte, was ihm gar nicht gehörte. Er ignorierte die seit 838 immer wieder bestätigten Besitzansprüche der Abtei Herford an Rheine und verleibt den Ort dem Bistum Münster ein.

Erster Aufschwung nach der Stadtgründung

Spätestens seit dem Jahre 1355 ist das „Amt Rheine“ belegt, das im Auftrag seines bischöflichen Landesherrn Abgaben einzieht, Verwaltungsaufgaben ausübt und stellvertretend die Rechte des Bischofs wahrnimmt und wahrt. Ein Rat wurde gebildet, ein Bürgermeister stand der Stadt vor und erste Gilden gründeten sich. Einen äußerst positiven Einfluss auf die Entwicklung der Stadt hat die erste hölzerne Emsbrücke, die den Handelsverkehr ganzjährig sicherstellte. Durchreisende Fuhr- und Kaufleute mussten nun Wegzoll an die Stadt entrichten, da Brücke und Handelsstraße mitten durch die Stadt führten.

Vom wirtschaftlichen Aufschwung beflügelt, wird um das Jahr 1400 der Neubau der St. Dionysus Stadtkirche begonnen, die einen älteren Vorgängerbau ersetzte. Die Arbeiten dauerten 120 Jahre und wurden 1520 mit der Vollendung des Turmes abgeschlossen. Die lange Bauzeit erklärt sich zum einen aus bautechnischen Erschwernissen und zum anderen durch die hohen Kosten.
Nachdem wir die Entstehung der Stadt kennengelernt haben, überspringen wir nun die Details der Brandschatzungen, Kriege um das Bischofsamt, die Fehden zwischen Katholiken und Protestanten, die spanische Besetzung, den Dreißigjährigen Krieg sowie die hessische Besetzung und wenden uns der neueren Geschichte in Kurzform zu.

1919 wurde in Rheine der einzige Rangierbahnhof des Münsterlandes eröffnet, 1993 still gelegt und wieder abgerissen – also Geschichte. Im Zweiten Weltkrieg erfolgten im Oktober 1944 und März 1945 schwere Luftangriffe auf das Stadtgebiet mit einigen hundert Toten. Am 2. April 1945 wurde die Stadt nach schweren Kämpfen von der britischen Armee erobert und 1946 dem neugegründeten Nordrhein-Westfalen zugeordnet. Am 10. Februar 1946 war Rheine vom bisher höchsten Ems-Hochwasser der Geschichte betroffen. Das 675-jährige Stadtjubiläum wurde im Jahr 2002 in Eintracht und Harmonie gefeiert.

Heute hat die Stadt circa 76 500 Einwohner, wirbt mit dem Slogan „Leben an der Ems“ und bezeichnet sich als Einkaufsstadt und Einkaufsattraktion für das nördliche Münsterland. Neben dem Fluss, der attraktiven Innenstadt und dem ausgewogenen Mix von vielen Einzelhandelsgeschäften und wiederkehrenden Veranstaltungen locken aber auch das Kloster Bentlage, die Saline Gottesgabe, das Gefallenendenkmal Hünenborg und der Falkenhof – die Keimzelle der Stadt – viele Besucher in die Stadt.

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Wir begannen unsere Städtereise am 5. Juni am Kloster/Schloss Bentlage. Das Kloster befindet sich in einem Naturschutzgebiet, deshalb ist die direkte Anreise mit dem PKW nicht möglich. Vom Parkplatz an der Saline Gottesacker bis zum Kloster geht man circa 15 bis 20 Minuten. Heute, bei 34 °C und Kameraausrüstung, eine schweißtreibende Angelegenheit. Aufgrund des Autoverbots (außer für Bewohner der Gästezimmer) traf man dann auf dem asphaltierten Weg viele Fußgänger. Die wenigen Radfahrer, die während ihrer Tour hier vorbeikamen, waren allerdings begeistert, da der Weg auf dem besagten asphaltierten Weg durch einen alten Waldbestand geht. Im Kloster selbst und in der nahen Umgebung wird auch Gastronomie geboten. Da freut man sich bei diesen Temperaturen in der Mittagszeit auf ein kühles Radler und eine kleine Stärkung. Während man die Öffnungszeiten des „High Tea Cafés“ wochentags von 14.00 bis 18.00 Uhr noch tolerieren kann (muss), da es sich hier nicht um ein ausgewiesenes Restaurant handelt, sind die Öffnungszeiten des Restaurants Gottesgabe in der Zeit von 14.30 bis 18.00 Uhr kaum nachvollziehbar, zumal sich vor dem Restaurant ein schöner Biergarten befindet. Weder die Radfahrergruppe noch ich konnten uns erfrischen oder stärken. Für einen Mittagsimbiss öffnet das Restaurant zu spät und für ein gemütliches Abendessen wird zu früh wieder geschlossen. Von der besagten Erfrischung war sowieso keine Rede mehr. Schade!

Im Kloster selbst werden in den beiden Torhäusern und im alten Bauernhaus gleich nebenan einige preiswerte Gästezimmer angeboten. Ganz im klösterlichen Sinne gibt es hier weder W-LAN noch Fernseher und keinen Lärm – beste Voraussetzungen für eine stille Einkehr und einen gesunden Schlaf. Das ehemalige Kloster/Schloss Bentlage ist heute ein Kulturzentrum, Museum und ein Refugium im Grünen. Regelmäßige Konzerte, Führungen, Lesungen, Workshops und die beliebten Bentheimer Familiensonntage laden zum Miterleben ein. Für Familien mit (ungeduldigen) Kindern ist dieses Ausflugsziel objektiv nicht zu empfehlen. Für Menschen, die Stille und Einkehr suchen und das kulturelle Angebot zu schätzen wissen und hier zudem noch wandern wollen und gar eine Übernachtung im Kloster planen, kann ich diesen Ort nur empfehlen.

Nur einige Meter vom Kloster entfernt, befindet sich die Saline Gottesgabe. Die Salzgewinnung reicht bis zum Mittelalter zurück, als das Salz noch vorwiegend für den Eigenbedarf des Klosters gewonnen wurde. 1890 wurde hier zu dem bestehenden Salinenbetrieb noch ein Bade- und Kurbetrieb eröffnet. Die Saline wurde bis 1952 betrieben und gehört heute zu den ältesten technischen Kulturdenkmalen aus vorindustrieller Zeit. Die Außenanlage kann jeder Zeit besichtigt werden. Das Salzsiedehaus mit seinen historischen Anlagen ist nur im Rahmen einer Führung zugänglich.

Auf in die Innenstadt

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Diesen schönen, wenn auch etwas zu heißen Sommertag, nutzen viele Menschen für einen Besuch der Innenstadt. Einkaufen, schlendern, an der Emskaskade ausruhen oder vor der Hitze (34 °C) in eine der Eisdielen „flüchten“. Wie schon erwähnt, bezeichnet sich Rheine als „die Einkaufsattraktion im nördlichen Münsterland“. Viele gute und attraktive Einzelhandelsgeschäfte mit einem reichhaltigen Angebot. Einige Kaufhäuser, darunter ein komplett Neues sowie die Ems-Galerie, machen einen Einkaufsbummel – sprich Shopping – zu einem kurzweiligen Vergnügen. Der Fluss Ems spielt eine zentrale Rolle für das Leben der Rheinenser Bürger. Nicht zuletzt wird die Aufenthaltsqualität durch zahlreiche gemütliche Cafés und Restaurant noch gesteigert. Die Innenstadt ist sehr gut mit dem eigenen PKW zu erreichen. Es stehen rund 4 000 Parkplätze zur Verfügung. Für Menschen, die die Innenstadt zu Fuß erkunden möchten, stehen direkt an der Ems und in der Innenstadt zahlreiche Bänke zur Verfügung, die den Besucher zum Ausruhen und Entspannen einladen.

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Direkt im Innenstadtbereich liegen am Ufer der Ems zwei alte ausrangierte Ausflugsschiffe (Kähne). Die Ausflugsschifffahrt ist leider eingestellt und die Kähne rosten vor sich hin. Auch die Ems macht im Innenstadtbereich nicht den besten Eindruck. Für Freizeitskipper werden geführte Kanutouren angeboten, die sogar zwei Schleusenfahrten beinhalten. Alljährlich im September kommt es auf der Ems zum „Elefantenrennen“, das ist ein Kanadierrennen für Hobby- und Firmenmannschaften. Im gleichen Monat findet bereits zum 59. Mal die Rheiner Kanuregatta für Altersklassen vom Junior bis zum Senior und auf verschiedenen Distanzen statt. Für Besucher, deren Schwerpunkte nicht der Wassersport ist, wird seit 1998 das „EmsFestival“ veranstaltet. In diesem Jahr fand die Veranstaltung vom 23. bis 26. Juli statt. Hierzu wird im Innenstadtbereich des Flusses eine schwimmende Bühne installiert, auf der zahlreiche Bands, aber auch bekannte Schlagergrößen auftreten. Das eindrucksvolle Programm lockt mit täglich anderen Highlights. Weinfeste, Kneipenfestival, Herbstkirmes, Straßenparty und Weihnachtsmarkt sind weitere Gründe einen entspannten und ereignisreichen Tag in Rheine zu verbringen.