Das LWL Römermuseum in Haltern am See

Als Westfale fühlt man sich ja im Allgemeinen als eher recht bequem am Rande der Weltgeschichte gelegen. Doch vor rund 2 000 Jahren war die Region durchaus im Blickfeld der römischen Cäsaren. Das LWL Römermuseum in Haltern am See hat die spannende Zeit der rund 30-jährigen römischen Präsenz zum Thema.

2016_roemer_museum_03Während der Regierungszeit von Kaiser Augustus um Christi Geburt versuchte das Römische Reich seinen Machtbereich auch östlich des Rheines in der damaligen Germania magna (freies Germanien) auszubauen. Aus logistischen Gründen wurden entlang der damals schiffbaren Lippe mehrere befestigte Militäranlagen gebaut, darunter als größtes Lager die Befestigung im heutigen Haltern. Bei diesem Stützpunkt handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um das in römischen Quellen erwähnte Aliso. Ursprünglich als Teillager der regionalen Legionen und Marinestützpunkt gedacht, war es – als es aufgegeben wurde – schon im Begriff sich zu einem auch zivil genutzten Komplex zu entwickeln. Jedoch mussten im Zuge der Varusschlacht 9 n. Chr. die Römer aus diesem Bereich Germaniens abziehen und hinterließen die Überreste der Befestigung der Nachwelt.

Rund 1 800 Jahre später wurde, nach ersten Funden Anfang des 19. Jhd., 1838 das ehemalige Kastell lokalisiert. Doch dauerte es noch bis 1899, bis hier mit Ausgrabungen begonnen wurde. Seitdem legten verschiedene Ausgrabungskampagnen die Überreste von fünf Anlagen der augusteischen Zeit und viele Einzelfunde frei. Alleine das Hauptlager nahm dabei eine, heute zu einem großen Teil bebaute, Fläche von 18,3 ha ein. Nachgewiesen sind neben dem Hauptlager mit fester Innenbebauung eine Schiffsanlegestelle für den Nachschub, Spuren der Lagervorstadt, eine Marine­basis mit Schiffshäusern und Kasernen sowie eine Gräberstraße.

2016_roemer_museum_04Schon 1907 gab es ein erstes römisch-germanisches Museum in Haltern, welches jedoch im 2. Weltkrieg durch Bomben zerstört wurde. 1993 wurde dann das heutige Römermuseum mit seiner flachen, langgestreckten Architektur auf dem Gelände des ehemaligen Feldlagers erbaut. Vor dem Museum ist ein Stück des rekonstruierten Erdwalles mit dem davorliegenden Spitzgraben zu sehen, während die Oberlichter der Dachkonstruktion einem römischen Zeltlager nachempfunden sind.
Die eigentliche Ausstellungsfläche beträgt ca. 1 000 qm. Hier wird eine Auswahl der reichhaltigen Funde rund um die Römerlager in Westfalen ausgestellt. Wer möchte, kann sich das Marschgepäck eines Legionärs schultern, in einem rekonstruierten ledernen Legionärszelt Nachrichten aus der Vergangenheit schauen oder sich über das Leben im provinzialrömischen Germanien informieren. Das alles durchaus mit einer Prise Humor: z. B. rund 15 000 Playmobil-Legionäre stellen die drei römischen Legionen dar, die in der Varusschlacht bei Kalkriese geschlagen wurden.

Im Juni 2016 wurde auf einem Außengelände die „Römerbaustelle Aliso“ eröffnet. Auf einer Fläche von 4,8 ha ist hier das Westtor der Anlage an Originalposition wieder errichtet worden. In einem zweiten Bauabschnitt sollen später auch noch Innenbauten dazukommen. Als archäologische Baustelle werden sie mit historischen Handwerkstechniken und den in römischer Zeit verwendeten Materialien und Werkzeugen errichtet. Weiterhin kann man auf anliegenden Grabungsstellen den Archäologen über die Schultern schauen.

2016_roemer_museum_05Das Museum ist – je nach persönlichem Vorwissen und Interesselage – in rund zwei Stunden „erwandert“. Wer den Weg nach Haltern gewählt hat, sollte sich vorher auf der Website des Museums erkundigen, da es neben dem normalen Ausstellungsbetrieb auch vielfältige weitere Angebote gibt. Das Museum bietet Themenführungen, teilweise in „römischer“ Begleitung an, Workshops, Filme und Vorträge. Gerade an den Wochenenden lohnt es sich, das Angebot im Auge zu behalten. Und danach ist der Ortskern von Haltern in Fußreichweite erreichbar, um den Tag ausklingen zu lassen.

Wir selber waren bei den alle zwei Jahre stattfindenden Römertagen vor Ort, bei denen die römisch-germanische Welt durch historische Darsteller lebendig gemacht wird. Neben den obligatorischen Legionären gab es Vorträge römischer Musik, Modenschauen, Handwerkstvorführungen und vieles mehr. Für die jüngeren Besucher gab es die Möglichkeit, sich im Museum einen eigenen (Papp-)Helm zu bauen oder bei einer der anderen, vielfältigen Kinderaktionen mitzumachen. Dieses Jahr zogen die Römertage mit mehr als 100 Darstellern am Wochenende 7 300 Besucher an – ein neuer Rekord für das Museum.

Wer sich also für Geschichte – und natürlich speziell für die römisch-germanische Geschichte – interessiert, dem sei das LWL Römermuseum ans Herz gelegt. Salvete!

Weitere Informationen
www.lwl-roemermuseum-haltern.de