Ausflugstipp im Münsterland

Das Münsterland ist aufgrund seiner Parklandschaft und wegen seiner vielen Burgen und Schlösser ein sehr beliebtes Ausflugsziel für Tages­touristen und Radwanderer. In einigen historischen Anlagen sind nicht nur Museen untergebracht sondern oft auch Restaurants und manchmal sogar Hotels. Auf der „100 Schlösserroute“ lassen sich so mehrtägige Ausflüge ganz hervorragend planen. Unser Ausflugstipp führt uns dieses Mal in den Südwesten des Münsterlandes, in die ca. 11 300 Einwohner zählende Gemeinde Raesfeld. Hier möchten wir Ihnen Park, Tiergarten und Schloss Raesfeld vorstellen.

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Schloss Raesfeld mit Blick von der Hofseite der Odenburg

Ausgangspunkt unserer kleinen Exkursion war am Freitag, dem 3. September, die kleine Terrasse des Bistro-Cafés „Freiheit 24“. Wir hatten bei leicht bewölktem Himmel angenehme 23 °C. Gerade richtig. Zur Stärkung erstmal ein kleines Bier und ein Pfifferling-Rahm-Süppchen. Von unserem Platz aus hatte man fast das gesamte Schloss im Blick – eine imposante Schlossanlage.

Die Geschichte des Wasserschlosses reicht zurück bis Anfang des 12. Jahrhunderts. Ende des 16. Jahrhunderts gelangte die Ritterburg der Herren von Raesfeld in den Besitz derer von Velen. Mitte des 17. Jahrhunderts ließ der Reichsgraf Alexander II. von Velen die Burg zum Residenzschloss im Stil der Renaissance ausbauen. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts starb das Geschlecht derer von Velen zu Raesfeld aus; das Schloss wurde nur unregelmäßig bewohnt und verfiel allmählich. Teile der Anlage wurden abgerissen oder bis ins 20. Jahrhundert hinein als Gutshof genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ließen es die Handwerkskammern des Landes NRW als neue Besitzer restaurieren. Heute ist das Schloss die Fort- und Weiterbildungseinrichtung der Handwerkskammern und wird außerdem für kulturelle Veranstaltungen, die vom Kulturkreis Schloss Raesfeld ausgerichtet werden, genutzt. Im Rittersaal finden regelmäßig Konzerte und literarische Lesungen statt. Zudem befindet sich im Schloss auch ein Restaurant.

Das Schloss ist Wasserschloss und damit natürlich auch von einer Gräfte umgeben (breiter Wassergraben), die dem Schloss in der Vergangenheit Schutz vor Angreifern bot. In das Schloss führte eine Zugbrücke – heute natürlich eine Brücke. In den Innenräumen des Schlosses befindet sich die „Akademie des Handwerks“. Die Innenräume sind für Besucher nicht zugänglich. Betritt man den Schlosshof, trifft man auf die verschiedenen Schulungswerkstätten des Handwerks, z. B. für Holz, Metall, Stein und Denkmalpflege. Man könnte es so zusammenfassen: Das Schloss hat sich zu einem Weiterbildungszentrum entwickelt.

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Die Parklandschaft lädt zu langen Spaziergängen ein.

Was bleibt dem Besucher neben dem Besuch der kulturellen Veranstaltungen und der Schlossgastronomie? Es sind die wunderschönen Außenanlagen. Man kann das gesamte Schloss auf angelegten Wegen umrunden. Auf den der Gräfte vorgelagerten Wiesen sind überall Bänke aufgestellt. Spaziergänger, Wanderer und Radfahrer können sich hier ausruhen, den Enten, Wasserrallen und Fröschen zusehen und dabei ein mitgebrachtes „Bütterken“ essen. Man fühlt sich also nicht gezwungen eines der Cafés oder Restaurants aufzusuchen. Besonders sehenswert ist auch die Schlosskapelle von 1658 mit einem schönen Barockaltar. Hier ruht auch das Herz von Christoph-Otto von Velen, der 1733 als letzter Schlossherr von Raesfeld in Brüssel verstarb. Gleich nebenan befindet sich auch ein kleines Museum, das die Geschichte von Raesfeld der Jahre 1939 – 45 behandelt. Das Museum ist nur in der Zeit von April bis Oktober samstags und sonntags und an Feiertagen geöffnet. Im unmittelbaren Bereich (50 – 100m) des Schlosses befinden sich auch einige kleine Hotels mit Blick auf das Schloss. Wer einige Tage ausspannen möchte, ist hier gut aufgehoben.

Das Informations- und Besucherzentrum

Das Informations- und Besucherzentrum

Besuchern des Schlosses möchte ich einen Spaziergang durch den historischen Tiergarten am Schloss empfehlen. Direkt neben dem Schloss befindet sich das Besucherzentrum. Die moderne von Holz und Glas dominierte Architektur setzt dabei einen Kontrastpunkt zum „wilden“ Tiergarten. Dieser Tiergarten ist weder ein klassischer Schlosspark noch ein herkömmlicher Tierpark. Der im Stil der Renaissance angelegte Tiergarten wurde in seiner Grundstruktur erhalten und bietet ganz unterschiedliche Naturräume. Der historische Tiergarten am Schloss Raesfeld zeichnet sich durch weitläufige Wiesen- und Heideflächen, Seen und ausgedehnte Wälder aus. Mit etwas Glück entdeckt der Besucher bei einem Spaziergang (am besten in den frühen Morgenstunden) Rot- oder Damwild auf einer der schönen Wandertouren. Dem Besucher fällt vor allem die wildwüchsige Umgebung und Naturnähe auf. Es führen vier Wege durch den Tiergarten, deren Länge von 1,2 Km bis 5,2 Km variiert. Nach einigen Metern auf dem Hauptweg breitet die „Kleine Maria“, eine Holzskulptur des Bildhauers Ludwig Schuhmacher, ihren Mantel über die Kinder Gottes aus. An den Wegen sind vereinzelt Bildtafeln mit Tiermotiven aufgestellt. Für die Kinder gibt es einen kleinen Klettergarten.

Spazierengehen, Wandern, Radfahren, Entspannen an der Gräfte, Konzerte und Lesungen im Schloss – dieses Ausflugsziel empfehlen wir besonders den stillen Genießern.