Rietberg in Ostwestfalen

Bereits in der Altsteinzeit war das heutige Stadtgebiet Rietbergs von Menschen besiedelt. In der Großen Höppe, am Südrand der Stadt, fand man Überreste von Wohnplätzen. Heute ist Rietberg eine Mittelstadt mit ca. 28 000 Einwohnern im Kreis Gütersloh. Im Stadtgebiet befinden sich viele gut erhaltene historische Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Der Fluss Ems schlängelt sich mitten durch die Altstadt. Die schönsten Seiten dieser Stadt zeigte uns Johannes Kürpick, Direktor des Hotels „Lind an der Ems“. Wie es der Name des Hotels schon andeutet, liegt dieses direkt am Fluss und man blickt von der Terrasse auf den Fluss und die Altstadt.


Ausgangs- und Zielort unserer Städtereise war gegen Ende Januar 2016 das zentral in der Innenstadt gelegene Hotel Lind an der Ems. Kurze Lagebesprechung mit Johannes Kürpick, dann machten wir uns bei mildem, aber auch trübem Wetter auf den Weg. Bevor wir aber über die Gegenwart und die Sehenswürdigkeiten dieses romantischen Städtchens berichten, ein kurzer Überblick zur Geschichte der Stadt.

Urkundlich kann die Stadt Rietberg ihre Entstehungsgeschichte bis in das Jahr 1100 zurückverfolgen. Damals wurde die Stadt als Rietbike erwähnt. Hierbei handelt es sich um die Zusammenführung von Ried (Schilfrohr) und Bach. Bereits im 11. Jahrhundert wurde die Rietburg als Grenzburg der Grafen von Werl-Arnsberg zum Schutz gegen Paderborn errichtet. In enger Nachbarschaft zur Burg siedelten sich Handwerker und Kaufleute an. Bei der Burg handelte es sich um eine Erdhügelburg, die in einem sumpfigen Bogen der Ems angelegt wurde. Durch das sumpfige Gelände, Mauern und Wälle war die Anlage geschützt. Sie lag strategisch am Schnittpunkt des gräflichen Interessenbereiches zu den Einflussbereichen der Bistümer Münster, Paderborn und Osnabrück. Nach ihrer Zerstörung im Jahre 1124 wurde sie bis 1141 wieder aufgebaut und an anderer Stelle 1354 eine neue Burg errichtet. In der Umgebung der alten Burg hatte sich eine Siedlung entwickelt, die 1374 Stadtrecht erhielt.

Nachdem es im 17. Jahrhundert zur Rekatholisierung der Grafschaft kam, wurde an Stelle der alten Burg 1619 ein Franziskanerkloster gegründet. Trotz ihrer geringen Größe verfügte die Grafschaft über eigenes Militär und eine eigene Währung. Regiert wurde vom Schloss Rietberg aus, welches im 14. Jahrhundert etwa einen Kilometer südlich der Stadt errichtet wurde. Durch Erbfolge und Heirat wechselten in den folgenden Jahrhunderten die Besitzer und Herrscher.

Von 1807 – 1813 gehörte die Grafschaft Rietberg zum napoleonischen Königreich Westphalen unter König Jérome Bonaparte. 1815 wurde die Grafschaft preußische Standesherrschaft. Neben der Haupt- und einzigen Stadt Rietberg bestand die Grafschaft nur aus einer Anzahl von Bauernschaften, die unter der preußischen Herrschaft selbständig wurden. Im Jahre 1843 wurde mit der westfälischen Landgemeindeordnung das Amt Rietberg mit Sitz in Rietberg geschaffen. In den 1870er Jahren bekam Rietberg seine erste Straßenbeleuchtung (mit Petroleumlampen). Darauf folgte die zentrale Versorgung mit Trinkwasser.

Gegenwart

Rietberg ist heute eine ausgesprochen mittelständische Stadt mit einer diversifizierten Wirtschaftsstruktur. Großunternehmen sind in der Stadt und Umgebung nicht ansässig. Die Lear Cooperation, ein Hersteller von Fahrzeugteilen, ist der größte Arbeitgeber in Rietberg. Das verarbeitende Gewerbe beschäftigt insgesamt 53,6 % der ca. 9 960 sozialversicherten Arbeitnehmer.

Sehenswürdigkeiten

Was inspiriert den klassischen Wochenendausflügler zu einem Besuch in Rietberg? Da spielen natürlich in erster Linie die Sehenswürdigkeiten, Gastronomie und Kultur eine wichtige Rolle. Im Sommer locken besonders die Gaststätten und Biergärten in der historischen Innenstadt sowie der Gartenschaupark und im Winter ist es der Karneval.

Einige dieser Objekte möchten wir Ihnen nun gemeinsam mit unserem Stadtführer Johannes Kürpick vorstellen.

Klosterkirche St. Katharina
Die ehemalige Klosterkirche St. Katharina nimmt mit ihrer reichen Ausstattung aus dem 17. und 18. Jahrhundert eine herausragende Stellung im gesamten Kreis Gütersloh ein. Das angrenzende Franziskanerkloster wurde im Jahr 1618 gegründet und 1975 aufgehoben. Im Klostergebäude ist heute das Jugendwerk Rietberg untergebracht. Die Kirche wird von der kath. Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist genutzt und unterhalten. Nach der letzten Renovierung (2007) wurde der Kirchturm mit seiner prachtvollen Barockausstattung nach historischen Unterlagen komplett neu gefasst.

Klostergarten / Skulpturengarten
Im Klostergarten haben elf Bronzeskulpturen des im Ortsteil Varensell ansässigen Künstlers Dr. Wilfried Koch einen festen Standort gefunden. Als Wandelgarten angelegt, diente der Park schon den Mönchen als ein Ort der Stille und Meditation. Der Park lädt auch heute noch zu einem geruhsamen Spaziergang, aber auch zum Meditieren und Entspannen ein. Die Skulpturen hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Weitere acht Skulpturen befinden sich vor dem Eingang des Kunsthauses und in den Innenräumen des Museums Wilfried Koch.

Cultura
Zur Landesgartenschau 2008 kaufte die Stadt die temporäre Spielstätte „RheinOperMobil“ und baute sie am Rande des historischen Stadtkerns wieder als „Cultura“ auf. Das Cultura-Sparkassen­theater an der Ems ist ein moderner Nachbau des 1599 am Südufer der Themse in London erbauten Globe Theatres. Auf drei Etagen finden in rustikaler Atmosphäre 750 Personen Platz. Die Entfernung zur Bühne beträgt aufgrund der Rundtheateranordnung maximal 15 Meter. Ein idealer Spiel­ort für Livekonzerte und Autorenlesungen ( z.B. Die Prinzen, Achim Reichel, Ökumenischer Gospelchor).

Kunsthaus Rietberg – Museum Wilfried Koch
Das Museum entstand in einem Rietberger Ackerbürgerhaus aus dem Jahre 1767. Seit 2007 beherbergt das Haus die malerischen Werke des Künstlers Dr. Wilfried Koch. Das Haus verfügt über eine durchgehende Deele und eignet sich deshalb für kleinere Veranstaltungen und Empfänge. Vor dem Haus haben noch einige Bronzefiguren des Künstlers einen festen Platz gefunden.

Historisches Rathaus
Mittelpunkt und Wahrzeichen der malerischen Innenstadt ist das 1805 erbaute Rathaus. In seiner unverwechselbaren Gestalt gilt es als eines der schönsten Rathäuser Westfalens.

Rietberg_Rathaus

Gartenschaupark Rietberg
Der aus dem Landesgartenschaugelände von 2008 entwickelte Gartenschaupark umfasst ein Areal von 40 Hektar. Der Park ist ein Paradies für Blumenliebhaber, Familien, für Jung und Alt. Die Spiellandschaften und Mitmachelemente sind Besuchermagnete für Familien. Besonders beliebt sind der Wasserspielbereich mit Piratenschiff, der Mehrgenerationen Fitness­parcours und die Großspielmöglichkeiten für Schach und Tischtennis. Ein besonders beliebter Ort im Park ist die einzige Freiluftorgel Europas nach historischem Vorbild. Die Technik der Orgel fasziniert, denn das gesamte Pfeifenwerk ist durch ein Glasgehäuse sichtbar. Seit der Landesgartenschau 2008 erfreut sich der Park ständig wachsender Beliebtheit. Im Jahre 2015 wurden erstmals 200 000 zahlende Besucher gezählt.

Karneval in Rietberg
Zur Karnevalszeit steht ganz Rietberg fünf Tage Kopf. Die Emsstadt gilt in ganz Ostwestfalen als Karnevalshochburg schlechthin. Spätestens, wenn der Bürgermeister am Altweiber-Donnerstag unter großem Jubel die Stadtschlüssel abgeben muss, haben die Narren das Sagen in Rietberg. »Ten Dondria helau« schallt es an allen Tagen durch die Straßen und Gassen. Es ist der alleine für Rietberg so typische Karnevalsgruß. Alleine am Rosenmontag sind mehr als 30 000 Narren und Närrinnen in der Stadt. Nur dieses Jahr blieben – wie in so vielen Städten – die Karnevalswagen in der Scheune. Aufgrund der Sturmwarnung wurde auch in Rietberg der Zug abgesagt. Was die Rietberger aber nicht weiter störte: Fußgruppen, Kapellen, Bollerwagen und vor allem fröhliche und kostümierte Jecken haben am Rosenmontag das Bild auf der Rathausstraße und in der Altstadt bestimmt.

Rietberg an der Ems ist zu jeder Jahreszeit sehens- und erlebenswert. Viel Spaß bei Ihrem Besuch in Rietberg.

Weitere Informationen:
www.rietberg.de