Die Steveraue bei Olfen

Ziemlich nüchtern begann 2002 mit dem „Beweidungsprojekt Steveraue“ eine ganz eigene Landschaftsgeschichte in Westfalen. Die ca. 80 Hektar große Fläche in der Nähe von Olfen wird seitdem nicht mehr intensiv landwirtschaftlich genutzt und nach und nach in eine
natürliche Auenlandschaft renaturiert.

Die Flächen entlang eines Flusses, die vom Hochwasser erreicht werden können, werden als Flussaue bezeichnet. Dort breiten sich die Wassermengen aus, die bei Hochwasser nicht mehr allein im Flussbett transportiert werden können. Auen sind daher natürliche Hochwasserrückhalteräume, von denen aus das Hochwasser sehr langsam in den Fluss zurückfließt und teilweise durch Versickerung, vom Boden gefiltert, auch dem Grundwasser zugeführt wird.

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Weidelandschaft mit Storchennest

Auch die Landschaft der Steveraue kann sich innerhalb kurzer Zeit für den Betrachter völlig verwandeln. Vor allem in den Wintermonaten beherrscht Hochwasser das Bild. Die Stever tritt natürlicherweise über die Ufer und überschwemmt das angrenzende Land. Hier kann das Wasser mehrere Tage bis zu einigen Wochen im Jahr stehen, bevor es wieder abfließt. Das Hochwasser verbindet den Fluss mit dem angrenzenden Land.

Nach langer intensiver landwirtschaftlicher Nutzung wurde das Gebiet rund um die Stever nördlich von Olfen im Rahmen des europäischen Schutzprogramms NATURA 2000 renaturiert. Ziel war es, die in den 1960er Jahren stark begradigte und an den Ufern befestigte Stever wieder mit einem natürlichen Bett zu versehen. Mit den entsprechenden Maßnahmen wurde die Wasserqualität verbessert und die Gefahr für Hochwasser reduziert. Der Fluss kann sich natürlich ausbreiten und bietet wieder Heimat für viele Tier- und Pflanzen­arten.
Natur in der Steveraue

Die Maßnahmen sollten zuallererst zu einer Ansiedlung und zum Schutz von lokalen Fischarten wie Steinbeißer, Groppe und Bachneunauge führen. Neben diesen für den Wanderer eher unsichtbaren Vertretern der Fauna wurden Heckrinder und Konikpferde angesiedelt. Ihnen folgten bald Poitou- und Katalanische Riesenesel. Ziel ist es, dass allein der Lebensrhythmus und das Fressverhalten dieser halbwilden Tiere die ehemals landwirtschaftlich bewirtschafteten Flächen formen. Das Fressverhalten der Tiere soll die Auenlandschaft allmählich wieder in ihren Ursprungszustand versetzen – eine Weidelandschaft mit kleinen Baumgruppen und übersichtlichem Buschwerk mit ganz neuen Lebensräumen auch für Brutvögel wie zum Beispiel den Storch und den Eisvogel sowie seltene Pflanzenarten.

Heckrinder - eine dem Auerochsen ähnliche Hausrindrasse

Heckrinder – eine dem Auerochsen ähnliche Hausrindrasse

Dreh- und Angelpunkt ist die Stever, die mit ihrem Fließverhalten den Charakter einer Aue erst möglich macht. Auch sie wird stetig weiter renaturiert. Bis heute trennt die denkmalgeschützte Füchtelner Mühle mit ihren bis in das 14. Jahrhundert zurückreichenden Wurzeln den Oberlauf vom Unterlauf des Flusses. 2015 wurde eine Nebenrinne geschaffen, die genau durch das Weidegebiet führt. Sie hat die alten Flussarme wieder miteinander verbunden und ermöglicht den Fischen nun eine ungestörte Wanderung.

Freizeit um die Steveraue

Nicht nur für Tiere bietet die Landschaft rund um die Stever etwas. Der etwa 8 km lange Radwanderweg Steveraue führt gut ausgebaut rund um das Gelände. Einkehrmöglichkeiten, Aussichtsplattformen und Flusstrände sind entlang des Weges zu finden. Eine besondere Art, die Landschaft zu genießen, ist eine Floßfahrt auf der Stever – hier sollte man sich aber auf der Homepage von Olfen schlau machen, wann öffentliche Fahrten zugänglich sind. Ansonsten kann man die rund anderthalbstündige Fahrt mit einem erfahrenen Führer auch für eine Gruppe buchen. Kanufahrten in den Sommermonaten und geführte Wanderungen sind auch möglich. Und wenn man genug gelaufen ist, bietet das Naturbad Olfen direkt nebenan Abkühlung. Alternativ gibt es im nahen Olfen oder direkt an der Stever im Landhaus Füchtelner Mühle die verschiedensten Möglichkeiten zur Einkehr.

Weitere Informationen
www.olfen.de