Karl May Festspiele
Elspe 2014

Seit 1958 sind die Karl May Festspiele alljährlicher Saison-Höhepunkt der Naturbühne des Theatervereins Elspe. Karl May steht in Elspe für das ganz große Sommerspektakel mit Indianern, Cowboys, Gang­stern, verborgenen Schätzen und den fast unvermeidlichen Explosionen. Das Elspe Festival hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem großen Publikumsmagnet entwickelt. Alljährlich geben hier bekannte Film- und Fernsehschauspieler ein Gastspiel. Unvergessen die ganz Großen der Branche wie Pierre Brice, Lex Barker, Ralf Wolter, Götz George und Jochen Bludau. Zudem wird dem Publikum in Elspe ein spannendes Rahmenprogramm und eine umfangreiche Gastronomie geboten. Alles Gründe, um hier mit der Familie einen ganzen Tag zu verbringen.


Intendant Jochen Bludau war hier lange Jahre Geschäftsführer der Elspe GmbH. Diesen Part hat 2011 sein Sohn Oliver übernommen. Der Schauspieler Jochen Bludau war es dann auch, dem es aufgrund seiner Verbindungen zur Filmwelt 1976 gelang, Weltstar Pierre Brice nach Elspe zu holen.

Filmschauspieler Brice war natürlich die Paradebesetzung des Indianerhäuptlings Winnetou. Der Held aller Winnetou-Filme verkörperte diese Rolle in Elspe 10 Jahre lang und machte diese Festspiele weltweit bekannt. Zeitweilig lief Elspe den Karl May Festspielen in Bad Segeberg gar den Rang ab. Schaut man in Elspe etwas genauer hin, merkt der aufmerksame Besucher, das die Kulisse und die Anlagen mittlerweile etwas in die Jahre gekommen sind. Viel morsches Holz, das oft nur provisorisch ausgebessert wurde. Den eingefleischten Karl-May-Fan stört das aber nur wenig.

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Im Jahr 2014 werden zur Festspielsaison 200 000 Besucher aus ganz Deutschland erwartet. Film- und Fernsehschauspieler Martin Semmelrogge (u.a. das Boot, Schindlers Liste) gibt in dieser Saison den Gangsterboss Weller in der Maske des Mormonen-Priesters Tobias Preisegott Burton. Semmelrogge macht diese Rolle nach eigenem Bekunden einen Riesenspaß, denn hier kann man so richtig in die Vollen greifen – und er liebt das Freilufttheater. Obwohl er sich nicht gerne in die Rolle des ewigen Bösewichtes pressen lässt, scheint ihm der Gangster im Priestergewand auf den Leib geschrieben.

Heute ist das Elspe Festival das größte deutsche Freizeitunternehmen mit ganzjährigem Spielbetrieb. In der Hauptsaison beschäftigt es bis zu 280 Mitarbeiter und verfügt über 40 eigene Pferde. Auf dem 14 Hektar großen Festivalgelände befinden sich unterschiedliche Open-Air- und ein klimatisiertes Indoor-Theater. Um dieses Festival für die Zuschauer wirkungsvoll zu inszenieren, ist eine Menge Technik und Equipment erforderlich. Der überdachte Zuschauerraum der Naturbühne verfügt über 4 200 Sitzplätze. Für die Lichttechnik werden u.a. 54 Scheinwerfer mit insgesamt 80 000 Watt eingesetzt. Die Tonanlage verfügt über 26 000 Watt und 24 drahtlose Mikrofone, die in der Regie mit Musiken und Geräuschen abgemischt werden. Aus der ehemaligen Veranstaltung mit Amateurschauspielern hat sich ein mittelständisches Unternehmen mit überregionaler Bedeutung entwickelt.

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Unser Tag unter Geiern

Bei den Karl May Festspielen in Elspe ist es schon Tradition, dass in jedem Jahr eine andere Episode aus den zahlreichen Werken des deutschen Schriftstellers zur Aufführung kommt. Nach „Winnetou I“ in 2012, „Der Ölprinz“ in 2013 war es in diesem Jahr „Unter Geiern“. Ebenso gehört es zum Gesamtkonzept, dass in jedem Jahr bekannte Film- und Fernsehstars eine Hauptrolle übernehmen.
Wir besuchten Elspe nicht an einem Wochenende, sondern aufgrund der großen Ferien ganz gezielt an einem vom Wetter her „durchwachsenen“ Dienstag, um einmal zu sehen, wie der Publikumszuspruch während der Woche ist. Nun beinhaltet das Programm auch einige Zusatzveranstaltungen. Bereits die Greifvogel- und Pferdeshow in der Rodeo-Arena präsentierte die Flugvorführungen von Eulen, Falken und Adlern in einer bis auf den letzten Platz ausgebuchten Arena. Hier erfuhren die Zuschauer auch Wissenswertes über die Eigenarten der einzelnen Greifvögel, die bei ihren rasanten Vorführungen teilweise haarscharf über die Köpfe der Zuschauer glitten.
Wer besucht die Festspiele in Elspe? Wer steht eigentlich noch auf Karl May? Die Besucher setzten sich in erster Linie aus kompletten Familien (teilweise drei Generationen) zusammen. Die jüngsten „aktiven“ Zuschauer haben wir auf ca. 6 Jahre geschätzt und etliche Großeltern mochten die 70 wohl schon überschritten haben. Es war für die meisten Besucher also ein spannender Familientag in Elspe.

Aufgefallen ist uns außerdem, dass viele junge Leute in Kleingruppen (4 – 6 Personen) unter den Besuchern waren. Bei der zweiten Veranstaltung des Vorprogramms handelte es sich um die Stuntshow „Caretaker’s Crash“. Die Stuntshow zeigte aus nächster Nähe, wie man sich gekonnt prügelt, ohne sich oder sein Gegenüber zu verletzten. Diese Szenen sah man dann später teilweise im Hauptprogramm auf der Naturbühne wieder. Auch die Stuntshow in der Festival-Halle war nahezu voll besetzt. Nicht ganz so gut besucht war im Anschluss die Musikshow „Rocking Town Tennessee“. Holly Sheppard und ihre Tänzer brachten die Halle leider nicht „zum Kochen“, wie es angekündigt war. Überdies hatte man auch das Gefühl als sei die Tonanlage übersteuert, dadurch wirkten manche Sequenzen etwas schrill.

Vor der Hauptvorstellung war eine große Pause angesetzt. Jetzt konnte man sich erfrischen und stärken, im „General-Store“ Andenken kaufen oder sich im Photographie-Laden in Kostümen ablichten lassen. Für die große Pause war ein umfangreiches kulinarisches Angebot vorhanden. Sei es der schnelle Imbiss mit Bratwurst und Pommes oder die Rinderroulade „Karl May“ oder das Schnitzel „Winnetou“, sowie Fischstäbchen, Chicken Nuggets und ein großer Salatteller. In Sloopy Joes Coffee House wurden Kaffee und Kuchen angeboten. So gestärkt begab man sich dann zur Hauptvorstellung „Unter Geiern“.

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Die Geschichte der Handlung ist schnell erzählt und wohl jedem echten Karl May Fan sowieso bekannt: Die Handlung spielt im Llano Estacado, einer Wüste zwischen Texas und New Mexico, im Jagdgebiet der Komantschen. In den Schlupfwinkeln dieser baumlosen Präriewüste mit Felsformationen der Mescalero-Steilhänge und Klippen versteckten sich eine Menge zwielichtiger Gestalten. Die Auswandererfamilie Fuchs wird hier bei einem Überfall der berüchtigten Geierbanditen bis auf ihren kleinen Sohn Gerd getötet. Dieser wird schwer verletzt von den Komantschen gefunden und nach Helmers Home gebracht, wo er aufwächst und wegen Gedächtnisverlust Bloody Fox genannt wird. Jahre später kommt es im Verlauf zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen den Geierbanditen, die von Gangsterboss und Missionar Weller auf dem Laufenden gehalten werden sowie Winnetou (Jan-Marc Birkholz) und Old Shatterhand (Oliver Bludau). Die Lage spitzt sich zu. Im Laufe der Auseinandersetzungen wird der Vater des Komantschen-Häuptlings getötet. Die Indianer sinnen auf Rache und wollen alle Weißen töten. Unerwartete Hilfe bekommen die Weißen sowie Winnetou und Old Shatterhand durch einen geheimnisvollen, schwarz verhüllten Reiter, der nach und nach durch gezielte Schüsse die Banditen dezimiert. Danach verschwindet er wieder blitzschnell, so dass er von Allen für den „Geist des Llano Estacado“ gehalten wird. Nun ja – es gibt wieder viele rasant reitende Indianer, Explosionen und natürlich Winnetou und Old Shatterhand. In einem gewaltigen Showdown sterben Weller und seine Banditen. Bloody Fox hat seine Eltern gerächt und kann nun mit Sarah Helmer friedlich Helmers Home bewirtschaften. Die Komantschen kehren in ihr Dorf zurück und Winnetou und Old Shatterhand reiten zu den Apachen.

Die Zuschauer belohnen die Akteure mit einem minutenlangen tosenden Applaus. So endet unser Tag „Unter Geiern“ in Elspe.

Weitere Informationen:
www.elspe.de