Landesmuseum für Handwerk und Technik

Die Freilichtmuseen in unserem Lande sind weit mehr als tote Materie, die für die Besucher gegen ein kleines Entgelt öffentlich zur Schau gestellt wird. Ob Mühlenhof Münster, Museumshof Rhaden, Freilichtmuseum Detmold oder Freilichtmuseum Hagen, all diese Einrichtungen lassen Geschichte, Kultur und Handwerk lebendig werden. Eine Journalistin der „WAMS“ nannte das einmal „moderne Heimatkunde“. In diesen Freilichtmuseen wie z. B. in Detmold oder Hagen wurden Häuser, Höfe, Werkstätten, ja sogar originale Kolonialwarenläden, in denen man auch einkaufen kann, wieder aufgebaut. Die kleinen Dörfer sind dadurch mit Leben erfüllt, das hier Menschen mit alten Geräten und Techniken arbeiten und produzieren.

2013_04_freilichtm-hagen_03

Wir fuhren am ersten Wochenende im Oktober nach Hagen, um uns dieses „Juwel“ der westfälischen Freilichtmuseen einmal aus der Nähe anzusehen. Unser Plan für diesen Tag war es eigentlich, einen schönen Frühherbsttag zu nutzen, um den ganzen Tag im Museum zu verbringen und nach oder vor unseren Exkursionen eine deftige westfälische Mahlzeit im neuen und großzügigen Museums-Restaurant zu genießen. Das Wetter in Deutschland ist jedoch in dieser Jahreszeit oft nicht sehr beständig und so waren wir an diesem Freitag von einem goldenen Oktober sehr weit entfernt. Nieselregen und 6° C war die harte Realität. Demzufolge kamen an diesem Tag auch nur sehr wenige Besucher in das Museum.

Aufgrund dieser Situation (nass und kalt) beschlossen wir unseren Rundgang bei einem kleinen Essen (Panhas mit Bratkartoffeln) im Restaurant zu planen. Im Sommer bzw. bei gutem Wetter lädt auch die große Terrasse zur Rast oder zum Verweilen ein. Bei diesem höher gelegenen Restaurant sollte nicht unerwähnt bleiben, das Besucher mit Handicap dieses über einen breiten Aufzug erreichen können. Ebenso befindet sich hier ein Babywickelraum.

2013_04_freilichtm-hagen_02

In erster Linie ist das Freilichtmuseum ein Museum für Handwerk und Technik. So ist es nicht verwunderlich, dass das Hauptaugenmerk hier auf dem Schmiedehandwerk und der allgemeinen Metallverarbeitung liegt. So wartet das Museum gleich mit zehn verschiedenen Schmieden (z. B.: Kaffeemühlenschmiede, Beilschmiede, Kuhschellenschmiede, Kettenschmiede, Kupferschmiede, Goldschmiede usw.) auf. Hinzu kommen weiterhin u. a. das Schmiedemuseum, Messingstampfhammer, Sensenhammer, das Zinkwalzwerk, das Hammerwerk, Aufwurfhammer usw. Die Schmieden, Hämmer und Walzwerke waren bis in das frühe 20. Jahrhundert wasser- oder dampfgetriebene Maschinen. Das ist auch ein Grund warum es auf dem Museumgelände gleich vier künstlich angelegte Teiche gibt, deren Wasser viele der Schmiede- und Aufwurfhämmer, aber auch Sägemühlen, Papiermühlen und andere Maschinen antreiben. Die meisten Produktions- und Werkstätten sind in alten Fachwerkhäusern untergebracht. Wenn Sie den abgedruckten Lageplan ansehen, beachten Sie, dass es sich um ein sehr lang gestrecktes Gelände handelt. Da man schon einigermaßen „gut zu Fuß“ sein, um diesen Parcours zu absolvieren und vom Kassenhäuschen bis zum „oberen Dorf“ zu gelangen. Die Museumsleitung empfiehlt unbedingt festes Schuhwerk. Bei diesem langgezogenen Weg fällt angenehm auf, dass es neben dem Restaurant auch einen Kiosk gibt und wirklich ausreichend auf dem Gelände platzierte Toiletten, einen Babywickelraum, Bollerwagenverleih und Leihschirme. Im Eingangsbereich, gleich bei der Kasse befindet sich ein sehr gut sortierter Museumsshop.

2013_04_freilichtm-hagen_01

Kommen wir zu zum baulichen Zustand der Wege. Kopfsteinpflaster ist natürlich authentisch, weil es während der hier gezeigten Zeitepoche der gängige Straßenbelag war. Die Wege sind teilweise lange steil ansteigend und mit groben Steinen gepflastert. Bei Regen nicht gerade angenehm. Aber der weiteste Weg lohnt sich, denn hier oben gibt es zahlreiche interessante und schöne Dinge zu sehen und ein rustikaler Gasthof sowie ein Brauereiausschank befinden sich hier ebenfalls. Hier finden Sie eine historische Bäckerei, eine Brauerei, Brennerei, Kaffeerösterei, eine Blaufärberei, ein stilechter Kolonialwarenladen mit Fleischerei inklusive Verkauf und eine historische Papiermaschine.

Fassen wir zum Schluss einmal kurz zusammen. Aufgrund der guten Logistik (z. B. Babywickelraum, Behindertentoiletten, Leihschirme, Bollerwagenverleih, Restaurant usw.) ein lohnendes Ziel für die ganze Familie. Der technisch- und Geschichtsinteressierte Besucher erhält zudem sehr anschaulich dargestellte Informationen über Handwerk und Technik im 18., 19. und dem frühen 20. Jahrhundert.

Weitere Informationen:
www.lwl.org/LWL/Kultur/LWL-Freilichtmuseum_Hagen