Beslers historische Städtereise

In diesem Jahr feiert die Stadt, die seit 500 Jahren mit Salz und Sole verbunden ist, das Jubiläum „200 Jahre Fürstliches Solebad”. Die Geschichte der Stadt beginnt aber schon wesentlich früher. Ihre Ursprünge hat sie im 11. Jahrhundert, sodass die Entwicklung bis hin zum Staatsbad Bad Salzuflen rund 1000 Jahre gedauert hat. Der Fund des Faustkeils von Bad Salzuflen lässt darauf schließen, dass das Gebiet von und um Bad Salzuflen schon in der Altsteinzeit von Menschen besiedelt war.

Heute ist die Stadt beliebt als Ausflugsziel und als Kurstadt. Sie verfügt über zwei Kurgebiete und ein Erlebnis-Gradierwerk, einen 120 Hektar großen Landschaftspark, eine umfangreiche Bäderarchitektur mit Kurgastzentrum und natürlich den Kurparksee. Alles in allem ist die Stadt nicht nur für Kurgäste immer eine Reise wert.

Unsere Stadtführerin ist dieses mal Gerharda Weinert, Geschäftsführerin vom Weinert’s Weinhotel. Sie zeigt uns in dieser Ausgabe ihre Lieblingsorte in der Stadt und einige weitere Sehenswürdigkeiten.

Geschichte

Mitte des 11. Jahrhunderts werden die Siedlung „Uflon“ und eine befindliche Salzstätte erstmals schriftlich erwähnt. „Uflon“ bedeutet in Altniederdeutsch „am Wald“. Später wurde daraus „Uflen“. Die Nutzung der salzhaltigen Paulinenquelle führte im Mittelalter zur Errichtung der ersten Saline. Diese Salzwerkstätten befanden sich an einem Ort, der noch heute „Salzhof“ genannt wird und dessen Brunnen im Wappen der Stadt dargestellt ist. Dank des einträglichen Salzhandels vergrößerte sich der Ort stetig.

Leopoldbad im Rosengarten

Leopoldbad im Rosengarten © Stadtmarketing Bad Salzuflen

Um 1300 wurde eine erste Kapelle auf dem Hallenbrink errichtet. Um 1400 geht die Stadt durch Verpfändung in den Besitz der Edelherren zur Lippe. Während der Soester Fehde wurde das nur wenig befestigte Salzuflen von böhmischen Truppen stark zerstört. Im Zuge des Wiederaufbaus erhielt der Ort um 1450 eine Ringmauer mit vier Toren und drei Wehrtürmen, darunter den noch heute erhaltenen Katzenturm. 1448 erhielt der Ort durch den lippischen Landesherrn Graf Bernhard VII. die Stadtrechte verliehen. Bis zum Dreißigjährigen Krieg blühte der Handel mit dem weißen Gold und brachte sehr viel Reichtum in die Stadt. Prachtvolle Bürgerhäuser im Stil der Weserrenaissance und das alte 1545/47 erbaute Rathaus sind noch heute Zeugen dieser Blütezeit.
Der Dreißigjährige Krieg beendete dann den 200 Jahre andauernden Wohlstand. Die Stadt wurde schwer beschädigt und die Bevölkerung ging auf rund 900 Einwohner zurück. Im siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) litt die Stadt erneut unter den Auswirkungen. Erst durch eine von Medizinalrat Heinrich Hasse gegründete Badeanstalt im Jahre 1818 begann der erneute Aufschwung Salzuflens zum Kurort.

Neuzeit

Bekannt geworden ist Salzuflen durch den Kurbetrieb, für den neue Badehäuser errichtet und neue Quellen erbohrt wurden. Mit seinen drei Thermal- und drei Solequellen hatte die Stadt den Status eines lippischen Staatsbades. Obwohl die Gründung des fürstlichen Solebads annähernd 100 Jahre zuvor erfolgt war, erhielt Salzuflen den Namenszusatz „Bad“ erst am 14. April 1914. Der wirtschaftliche Aufschwung hing auch eng mit den 1850 gegründeten Hoffmann’s Stärkefabriken zusammen, die später zum größten europäischen Stärkeproduzenten aufstiegen.

Mit Eröffnung der Bahnlinie Herford-Detmold erhielt Salzuflen 1880 einen Anschluss an das Schienennetz. Die strategisch eher unbedeutende Lage der Stadt bewahrte Bad Salzuflen während des zweiten Weltkrieges weitgehend vor Bombenangriffen der Alliierten, sodass die Stadt den Krieg relativ unbeschadet überstand. Nach dem zweiten Weltkrieg zählte die Stadt ca. 14 000 Einwohner, im Juni 2010 ist diese Zahl bis auf 5 3947 angestiegen und Bad Salzuflen ist nun eine große Mittelstadt.

Luft und Wasser wie an der See … mitten in Deutschland

VitaSol Aussenschwimmbecken

VitaSol Aussenschwimmbecken © Stadtmarketing Bad Salzuflen

Eingebettet in die reizvolle Wald- und Hügellandschaft des Teutoburger Waldes begeistert Bad Salzuflen heute Erholungssuchende und Naturbegeisterte gleichermaßen. Neun Quellen sorgen für Sole in unterschiedlicher Zusammensetzung und Temperatur, die für Bäder und Trinkkuren sowie zur Inhalation genutzt werden. Durch seine heilsamen Solequellen bietet das ehemalige Salzsiedlerstädtchen Luft und Wasser wie an der See. Insgesamt 600.000 Liter Sole rieseln täglich über die mächtigen Gradierwerke im Herzen der Stadt und sorgen für eine frische Meeresbrise. Besonders tief durchatmen lässt es sich im begehbaren Erlebnis-Gradierwerk am Kurpark, das europaweit einmalig ist. In der Nebelkammer kann man bei sanfter Musik und farbig wechselndem Sternenhimmel wundervoll entspannen. Ein Blick von der Aussichtsplattform über den Kurpark und die Bäderarchitektur sowie das Gradierwerkensemble lohnt. Mittlerweile wird aus dem Solewasser auch ein helles Bier gebraut, das beim Jubiläumsfestival im Juli 2018 erstmals ausgeschenkt wurde.
Ist man zu einem Wochenendtripp oder einem Kurzurlaub in der Stadt, ist die historische Innenstadt ein unbedingtes Muss. In vielen Straßen befinden sich sehr gut erhaltene, restaurierte Gebäude. Das historische Rathaus und mindestens 60 Fachwerk-Dielenhäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert mit kunstvoll geschnitzten Fachwerkbalken können bestaunt werden. Und – selbst wenn man kein Kurgast ist – lohnt ein Besuch der Bäderarchitektur wie z. B.: das Leopoldbad. Eigentlich sind es mehrere Gebäude, die unter dem Begriff „Leopoldbad“ zusammengefasst werden. Das alte Badehaus I von 1855 ist heute eine stilvolle Privatklinik. Im früheren Inhalatorium hat ein Fachärzte-Forum seinen Sitz.

Die Informationen aus Touristikbüro und aus dem Internet können jedoch einen Besuch vor Ort nicht ersetzen. Wir trafen uns am 22. Juni 2018 bei Gerharda Weinert im Weinhotel Atrium und besprachen unseren Rundgang. Aus dem Termin auf der Restaurantterrasse wurde leider nichts. Bei bewölktem Himmel, teilweise Regen und recht klammen 14°C besprachen wir uns im Restaurant. Vom Weinhotel in die Innenstadt sind es nur einige Gehminuten, sodass wir uns, als es etwas auflockerte, auf den Weg ins Zentrum machten. Das erste Ziel war die bereit 1802 erbohrte Paulinenquelle (heute ein geschütztes Denkmal). Diese schüttet 10 000 Liter gelöste Sole pro Stunde aus. Von hier aus in die Lange Straße sind es nur ein paar Meter. Die Lange Straße ist bekannt für ihre historischen Fachwerkhäuser. Besonders beeindruckend sind die sehr aufwendig beschnitzten Balken. In der Neuzeit wurden im Erdgeschoss fast aller Häuser Geschäfte eingerichtet. Leider sind es heute oft Textilgeschäfte mit Billigware, wie man sie in jeder Innenstadt und auf den Wochenmärkten findet. Die Kleiderständer sind bis in die Fußgängerzone hinein aufgestellt. Dadurch wird das schöne Gesamtbild leider etwas gestört. Bei einem kleinen Abstecher an die Salze, luden einige fest installierte Liegen zum Ausruhen und Entspannen ein.

Kurparksee

Kurparksee © Stadtmarketing Bad Salzuflen

Der Besuch der Gradierwerke ist ein unbedingtes Muss. Vergleicht man sie mit den Installationen in anderen Städten, wirken sie schon sehr imposant. Etwas ganz besonderes und einzigartiges ist das 2007 errichtete Erlebnisgradierwerk. Es ist ein Ersatzbau für das älteste Gradierwerk der Stadt von 1767. Neben der Sole-Nebelkammer des begehbaren Gradierwerkes, lohnt vor allem ein Besuch der Aussichtsplattform. Weiter geht es zum Kurhaus und den wunderschönen Rosengärten. Überall in der Stadt sind Bänke zum Verweilen aufgestellt. In der Parkstraße kann man vor allem viele alte und imposante Villen aus der Gründerzeit von außen besichtigen. In vielen dieser Villen sind heute Pensionen untergebracht.

Was bleibt und wo man einmal gewesen sein muss ist der Kurparksee, der direkt gegenüber dem Weinhotel Atrium liegt. Ein sehr schöner Landschaftsgarten, gut ausgebaute Wege und ein Bootsverleih laden hier zu einem etwas längeren Aufenthalt ein.

Gegen 18.00 Uhr ging es dann zum gemeinsamen Abendessen zurück ins Hotel mit einer etwas größeren Pause. Denn: wenn man schon einmal in Bad Salzuflen ist, muss man das Gradierwerk auch einmal bei Nacht gesehen haben. Wie schon erwähnt, es war Sommer und es wurde erst gegen 22.15 Uhr dunkel. Um 22.00 Uhr machten wir uns noch einmal auf in die Innenstadt, um die angestrahlten Gradierwerke zu bewundern. Ich finde, es hat sich gelohnt. So ging gegen Mitternacht ein schöner und ereignisreicher Stadtrundgang zu Ende.

Weitere Informationen
www.staatsbad-salzuflen.de